10 € only!

„Metallteile und Knochen im Kinderbrei, Plastik im Speisefisch, Byphosat im Urin, Aluminium im Deo, das ist ja wie Autowerbung in Radio France Inter…“

So gehört in einem spaßigen Beitrag zur besten Zeit auf dem staatlichen Sender France Inter. Die junge Dame dort muss sich nicht um ihr Geld kümmern, schließlich geht ihr Gehalt und das der über 5.000 Kolleginnen regelmäßig ein. Es ist interessant einmal zu sehen, welche Summen in den beiden Ländern Frankreich und Deutschland an Radiowerbung investiert werden,  und wie sehr diese Beträge zur Tragfähigkeit und der Existenz eines der größten Massenmedien beitragen.

Eine Zahl sei verraten, die 10. Much ado about nothing?

Einnahmen aus Werbung stellen für privatwirtschaftliche Sender so ziemlich die einzige Erlösquelle dar mit der sie ihre Aktivitäten betreiben können.

Privatradio- und TV wurden in beiden Ländern in den 1980er-Jahren sowohl in Frankreich wie auch in Deutschland zugelassen, um das Sende- und Meinungsmonopol zu brechen und um mehr Wettbewerb im Medienmarkt zu ermöglichen. das zur Historie – und heute? ….

Zu den Zahlen aus dem Kommerz:

Ein Vergleich ist annähernd möglich bei Beachtung der Messkriterien Brutto-Netto-Investitionen, der Ausgaben pro Kopf und nicht wie üblicherweise in Reichweiten (Altersgruppen, Zeit und Art der Erhebung, Grundgesamteinheiten), lokale und überregionale Werbung und deren Abgrenzung sowie weitere Faktoren.

Hier die erstaunlichen Zahlen:

Frankreich:
Einwohner 67 Mio. (Insee), Werbemusätze Radio 701 Mio. €, Bump
per capita 10,46 €.

Deutschland:

Einwohner 82,8 Mio., (Eurostat), Werbeumsätze Radio 834 Mio., (Quelle: Vau.net und Nielsen)
per capita 10,07 €. 

Was sagen uns diese Werte?

Erstaunlich schon sind die ziemlich ähnlichen zweistelligen Zahlen und deren relative  Überschaubarkeit. Kritiker dürften sich sogar zu der Äußerung hinreißen lassen „ So viel Lärm für wenig?

Spaß beiseite, über 450 Radiosender in Deutschland und 1250 in Frankreich (!) tragen nicht nur zu mehr redaktioneller Vielfalt bei – dies alleine ist schon ein wichtiges Pfund bei der Argumentation für private  Regional – und die zahlreichen Lokalsender. Ganz wichtig ist deren Nähe zu den Hörern, und hier eröffnet sich dem weiterhin jungen Medium eine große  Zukunft: in einer Epoche in der enorm viel Zeit in sozialen Medien von breiten Bevölkerungsschichten verbracht wird, steht ihnen Tür und Tor auf für andere Formen der Kommunikation – ein Format lautet hierbei „TALK“!

Auf dieses Format wird an dieser Stelle in einem Ländervergleich ausführlich eingegangen. Auch wird der wirtschaftliche Erfolg ausgewählter Sender  auf der Basis erreichte Hörer und erzielte Umsätze analysiert. Welche Rolle spielt hierbei wohl das WORT?

An dieser Stelle ein VERANSTALTUNGSHINWEIS für Radio-Professionals

 

#europeradioshow

 

Indicateurs radio, Bump, lalettre.pro

Spotifys neues Angebot „Daily Drive” – Optik auf ersten Blick eher bescheiden

KURZTEST: Programm aus personalisierter Musikauswahl mit Nachrichten von Deutschlandfunk und Podcasts etablierter Printpublikationen wurde gestartet.
Ein Bericht.

Michael Krause, Managing Director Spotify Central Europe sieht die Position des Anbieters gestärkt, da er als erster Streaming-Dienst Nutzern Playlists mit einem Mix aus Podcasts und Musik anbiete. Ein weiterer Clou soll darin bestehen, dass tageszeit- und stimmungsabhängig die Playlist und der Nachrichtenstand regelmäßig aktualisiert werde.

Nun denn, richtig attraktiv sieht das Ganze optisch zumindest zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht aus. Die Audioinhalte sind wohl eher etwas eklektisch und kulturlastig. Richtige Livestimmung mag da nicht aufkommen. Insgesamt gewinnt man den Eindruck, dass rasch einige Contenterzeuger gefunden werden mussten, um ein vorzeigbares Ergebnis zu produzieren. Auch der Begiff „Daily Drive“ wirkt ein wenig gewollt, wer hört sich solch ein kuratiertes Audio-Angebot im Auto an?

Mit KI für die automatisierte Nachrichtenerstellung und mit spritzigen Live-Moderatoren kann sich das Formatieren von Radioprogrammen aber in der Zukunft heftig wandeln. Werden Wetten eingegangen, wann es so weit ist?

Irgendwie könnte man schon das Gefühl haben, dass die deutschen Radioanbieter unter Innovation Dinge sehen wie ‚programmatic‘, ‚podcasts‘, ‚voice assistants‘ und ’streaming‘ überhaupt. Nur was geschieht Richtung Programmgestaltung mit wirklichen Innovationen? Ein nationales Talkprogramm zum Beispiel, das breite Hörergruppen begeistert und zu Interaktion einlädt, steht aus. Dies in einer Epoche, wo enorm viel Zeit in sozialen Medien mit politischer Meinungsäußerung aller Couleur verbracht wird. Dies sind Mediennutzungszeiten, die Radio Gefahr läuft zu verlieren.

Zur Erinnerung, Radio gemany.net hatte diesen Ansatz – nämlich prgrammiertes Radio -bereits 1999! Und zu diesem Zeitpunkt dachte man schon an robotisierte Wortredaktion … die Musik gab‘s allerdings noch von CDs.

Im Bild die Auswahl des Programms „Daily Drive“ getestet mit einem Premium Account. Das Angebot besteht auch im werbefinanzierten kostenfreien Stream.

8/8: Acht berufliche Stationen in …. 8 Jahren

Medienanbieter verlangen jungen Arbeitnehmern viel ab.
Trifft auch für Audio zu.

Beim Lesen von Lebensläufen und beruflichen „Werdegängen“  in der Audio-/Radiobranche springt einem ein  Muster ins Auge:  lief es früher eher ‚steady‘ ab, sind heute rasche Wechsel angesagt.

Im Rahmen von zwei Teilaspekten einer Branchenanalyse  „Reichweiten und Werbung UKW vs Streaming“  und „Innovationskraft der Medienlandschaft“ (mehr dazu zu einem späteren Zeitpunkt), auf Berufsbiografien gestoßen, die viel aussagen über Einstellungen und Verhaltensmuster verschiedener Generationen.  Nicht unüblich sind heutzutage ein halbes Dutzend Jobwechsel  im Audio-Radiobereich binnen weniger Jahre und dann, wenn der junge Berufseinsteiger Glück hat,  der Wechsel zu einem – zumeist internationalen – Anbieter, der dann auch noch häufig in der Bundeshauptstadt sitzt.  Diese nehmen gerne Youngster aus dem digitalen Bereich, denn gerade von dort kommen ja auch schließlich die Wettbewerber. Von den Neueinstellungen erhofft man sich wichtige Impulse,  gewonnen aus den gesammelten Erfahrungen in den verschiedenen Stationen rund um Audio.

Schauen die Recruiter über fehlende Jahresangaben und Lücken im CV hinweg? – oder greift man auf den erfahrenen Door Opener zurück in der Person eines persönlichen Coachs? Sabbaticals und Elternurlaube sind durchaus zu finden, und diese zeigen eine gewisse Distanz der Berufseinsteiger zu konsequenten Karrierezielen und für das Besteigen einer Hierarchieleiter. Ganz spannend in diesem Umfeld  auch das häufige Kleben an dem Berliner Standort, zur Not wird auch flexibel und remote gearbeitet. Die internationale Adresse bleibt bewahrt und der relocation-Service, wenn es ihn denn gibt, wird nicht in Anspruch genommen.

Erfindet sich Radio mit solchen Biografien neu?

Ein Blick auf die CVs alt Eingesessener, lässt bei leitenden Funktionen häufig eine einzige Position erkennen, der  Marketingleiter, Senderchef oder der  verantwortliche Redakteur ist mitunter schon seit dreißig Jahren dabei. Haben diese Weichensteller den Willen und das digitale Know-How,  Neues zu fördern und zu entwickeln? Können Sie – gerade bei regionalen Strukturen – Entscheidungen bei den Gesellschaftern durchboxen? Auf jeden Fall bringen sie eine Menge Wissen und Erfahrung mit und können Vergleiche anstellen. Dies dürfte den Neueinsteigern schwerer fallen.

Denen fehlt häufig fundiertes Mediawissen und der Zugang zu den Entscheidern über Mediabudgets in Agenturen und bei den Werbekunden. Neueinsteiger haben zwar einen formal wesentlich höheren Bildungsstand als den, die Radioleute vor dreißig Jahren mitbrachten. Quervergleiche zu Geschäftsmodellen früher und jetzt mit digital getriebenen, fallen ihnen aber häufig schwer oder sind ihnen schlichtweg nicht möglich. Schenkt man den Aussagen von Personalern im Radio Glauben, schreckt die Jungen auch noch anderes ab. Hieß es vor gar nicht so langer Zeit noch „Hauptsache was mit Medien“, hat der Andrang junger Berufseinsteiger bei Radioanbietern deutlich abgenommen. Gründe hierfür sind zu finden  in der doch insgesamt heftigen zeitlichen  Beanspruchung bei den Medienanbietern und bei dem abverlangten Input. Digitale Welten erscheinen zudem attraktiver und bieten mehr Glitzer und Spielfeld. Bestätigung für diese ‚Unverbindlichkeits‘-These und eine mangelnde Work-Balance- findet man in Beurteilungen auf entsprechenden Plattformen und in Gesprächen.

Wie steht‘s mit der Zukunftsfähigkeit? Kann sich Radio mit solchen Konstellationen neu erfinden?

Die Audio-Radiobranche in Deutschland ist insgesamt recht überschaubar. Zwar ist durch die neuen Streaminganbieter die Anzahl der Stationen auf über 400 gestiegen. Die Menge  der Entscheider aber, tätig  in einem  halben Dutzend der maßgeblichen Ketten, liegt in einem zweistelligen  Bereich. Dies ist nicht viel in einer Branche, die unter 20.000 Mitarbeiter in Deutschland zählt. Der Altersdurchschnitt des Personals in diesem überschaubaren Geschäftsfeld liegt eher bei dem Durchschnittsalter der Radiohörer gesamt, was einige Frage offen lässt. Auch hier hat sich viel geändert in den letzten Jahrzehnten, früher waren die Belegschaften durchweg jung – in der jungen Privatradiowelt.

Fazit also: von unten drängen neue mögliche Impulsgeber vor, die mit angezogener Handbremse einsteigen. Oben – altersmäßig – wird mit Interesse auf neue Entwicklungen geschaut und durchaus auf technologische Entwicklungen reagiert, Stichwort Channels, Streams, Podcasts und Sprachassistenten. All diese Neuerungen verlangen hohe Investitionen. Solange Radio brummt, und dies tut es, wird die Zukunft finanzierbar sein. Letztendlich entscheidet der Hörer. Das Verständnis für ihn gewinnt man aber nicht über Hype-Begeisterung für Technik und weniger wie behauptet über Tracking und „user insights“. Die neuen Technologien  dienen alleinig als proaktiver Distributionskanal. Proaktiv, da man den Radio-Markt  nicht den GAFAS überlassen will. Die wahren Erfolgselemente  lauten BEGEISTERUNG der Hörer kreieren und die passion for radio der Macher. Dies geht über Interaktion, Mitmachen, Talk und neue Programmformate überhaupt.

Solche Transformationselemente stammen aus der Contenterzeugung , dem Programmbereich, dem produkt an sich. Personal-Incentives, eine mitarbeiterfreundliche Gestaltung der Work Life Balance, die Hilfe bei der eigenen beruflichen Entwicklung und die Unterstützung interner Betriebsabläufe – jetzt kommt IT zum Zuge – durch IT-getriebene Verfahren, sind die wesentlichen Elemente zur Attraktivierung der Medien- und Audio-/Radiobranche. Mehr dazu hier an dieser Stelle, nach Ankündigung oder einfach vorbeischauen.

Nebenbei: der Autor  dieser  Zeilen befand sich in dem genannten Lebensabschnitt auch in ständiger Suche. Volles Verständnis also für die Neueinsteiger.

Erkennt man hier Wandel und …. Flexibilität?

 

Beispiele anonymisiert. Bild: clem-onojeghuo-unsplash

DAB+ etc. ….

Da meinen einige, dass bei der Diskussion, ob Webradios im Wettbewerb mit Dab+-Verbreitung verlieren: „Hier wird Selbstbetrug betrieben! In großem Maßstab. In meinem eigenen Umfeld kenne ich haufenweise Leute (mich eingeschlossen), die zwar DAB+ Geräte haben und die Sender auch abgespeichert haben.
Die aber kein DAB+ hören, sondern entweder noch die alte UKW-Ausstrahlung („ist einfacher und nicht schlechter“) bzw. den Internet-Stream (z.B. wegen Nutzung von Alexa & Co.)..“ (yes_mc)

So ist es. Man gewinnt den Eindruck, dass ‚Interessierte‘ das uralte Thema DAB+ hypen. 600 Mio. € können für die Umstellung Öffentlich-Rechtliche schon stemmen. (Sollen sie vllt. auch für die ‚Grundversorgung‘). Was bisher aber noch nicht deutlich gefragt wurde: Wie sieht es denn mit einer
v e r g l e i c h b a r e n Nutzungs DAUER aus? Und vergleichbaren Ermittlungsmethoden. Der Begriff ‚Streamsessions‘ sagt nicht viel aus. Steckt man alle Hörminuten fein getrennt nach DAB, Stream, UKW in einen Beutel, ist der Anteil von DAB minimal. Sieht man den Beutel als Ballon und schaut sich ihn 2030 an: wieviel Luft geht hinaus? Siehe auch #dasmedienzentrm

 

Im Bild: Privatfunker Helmut Poppe mit ex-Staatsminister Klaus-Jürgen Hoffie

 

ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019: Sieben Stunden Mediennutzung täglich – Mediatheken und Streamingdienste werden immer wichtiger

Die um Beitrag zuvor aufgestellte Analyse kommt auch zu dem Ergebnis, dass das Gros der Mediennutzungszeit noch und wohl auch lange weiterhin linear erfolgt. Ausschlaggebend für die hohen Werte bei der Medienzeitbudgets sind die Referenzwerte „Verweildauer“, „Viertelstundenreichweiten“ , „Stundennettoreichweite“ und „Hördauer“. Schaut man sich die tatsächlichen konkreten Minuten an, könnte man leicht zu anderen und niedrigeren Ergebnissen kommen. Wie auch immer, Streaming wird einen Teil der Mediennutzung in der Zukunft ausmachen. Entscheidend sind aber die Ersteller und Distributoren des Content. Da haben angestammte Anbieter gute Karten in der Hand. Letztendlich entscheidet der Hörer und Zuschauer.

Zur Meldung des HR und der ARD
„Im Durchschnitt verbringen die Deutschen täglich sieben Stunden mit medialen Video-, Audio- und Textinhalten. Bei den Unter-30-Jährigen ist es eine gute Stunde weniger. In dieser Altersgruppe wird der Trend zur non-linearen Nutzung deutlich. In der Gesamtbevölkerung dominiert bei der Bewegtbildnutzung das lineare Fernsehen mit einem Anteil von 76 Prozent, während das Radio mit 79 Prozent den Löwenanteil der Audionutzung ausmacht.

Zu diesen zentralen Ergebnissen kommt die Studie ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019, die im dritten Jahr in Folge im Rahmen der Studienreihe „Medien und ihr Publikum“ (MiP) im Auftrag der ARD/ZDF-Forschungskommission durchgeführt wurde.

Betrachtet man die für Medien aufgewendete Zeit, verbringt die Bevölkerung täglich sieben Stunden mit Medieninhalten (420 Min.). Nur rund eine Stunde entfällt auf das Lesen von Texten, wobei sich auch die Textnutzung zunehmend ins Netz verlagert. Die meiste Zeit entfällt auf das Ansehen von Videos (3:22 Std., 202 Min.) und die Audionutzung (3:06 Std., 186 Min.). In der Gesamtbevölkerung dominieren nach Nutzungsdauer die lineare Fernsehnutzung mit 76 Prozent sowie die lineare Radionutzung mit 79 Prozent.

Bei den 14- bis 29-Jährigen ist eine deutlich andere Nutzung zu beobachten. Ihre für Medien aufgewendete Zeit ist mit 5:57 Stunden (357 Min.) geringer als die der Gesamtbevölkerung. Von der Zeit zur Videonutzung werden 33 Prozent mit Fernsehen, live zum Ausstrahlungszeitpunkt, verbracht – 67 Prozent entfallen auf die zeitversetzte Nutzung von Fernseh- und Videoinhalten. Bei Audio verhält es sich ähnlich, allerdings abgeschwächt. Hier liegt das Verhältnis bei 42 Prozent linearer Radionutzung gegenüber 58 Prozent zeitsouveräner Nutzung in Form von Musik-Streaming (41 Prozent), Musik über CDs (14 Prozent) und Podcasts (3 Prozent). Dies dokumentiert den Trend zur zeitsouveränen Nutzung, wobei der Erfolg nach wie vor vom Inhalt abhängt.

Betrachtet man, wie groß die Anteile in der Bevölkerung sind, die verschiedene Medien nutzen, ergibt sich folgendes Bild: An einem Tag werden durchschnittlich 87 Prozent der Bevölkerung von Videoangeboten erreicht. Dabei erzielt das lineare Fernsehen mit 67 Prozent trotz leichter Verluste nach wie vor die höchsten Tagesreichweiten. Ähnlich sieht es bei Audio aus: An einem Tag haben durchschnittlich 81 Prozent der Bevölkerung ein Audioangebot gehört, wobei mit 71 Prozent die meisten Menschen mit klassischem Radio erreicht werden. Analog zur Nutzungsdauer zeigt sich auch nach Reichweiten bei Unter-30-Jährigen der Trend zur zeitsouveränen Nutzung von Video und Audio: Streamingdienste, Videoplattformen und Mediatheken haben dabei die klassischen Verbreitungswege eingeholt. Konkurrenz erwächst den Fernsehsendern dabei zunehmend durch Streamingdienste von Netflix und Amazon, die ähnliche Nutzungsmuster wie das Fernsehen aufweisen. Bei den Radiosendern sind es vor allem Streamingdienste wie Spotify, die im Musikbereich konkurrieren.

Der ZDF-Intendant und Vorsitzende der ARD/ZDF-Medienkommission Dr. Thomas Bellut: „Die aktuellen Ergebnisse bestätigen einmal mehr, dass wir den Nutzerinnen und Nutzern auch im digitalen Raum einen individuellen Zugang und auf sie zugeschnittene Inhalte anbieten müssen. Wir sind dabei auf dem richtigen Weg, aber der Wettbewerb mit den Streamingdiensten nimmt weiter zu. Wir arbeiten deshalb etwa auch daran, den Zugang zu unserer Mediathek auf den Fernsehgeräten zu erleichtern.“

Bei den jüngeren Hörern unter 30 Jahren liegen das tägliche Radiohören und das Hören non-linearer Musik auf gleichem Tagesniveau (Radio: 52 Prozent, Musik: 53 Prozent). Dabei werden bei jungen Hörern Streamingdienste wie Spotify mit 30 Prozent Tagesreichweite immer populärer. Musik über CDs und andere Tonträger (20 Prozent) wurde inzwischen von diesen Angeboten überholt. Mit 6 Prozent ist auch die Tagesreichweite von Podcasts und zeitversetztem Radio bei den Jüngeren doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.

Der Intendant des Hessischen Rundfunks und stellvertretende Vorsitzende der ARD/ZDF-Medienkommission Manfred Krupp: „Die Untersuchung zeigt, dass unser eingeschlagener Weg in der ARD richtig ist. Die klassische Verbreitung unserer Inhalte über Radio und Fernsehen bleiben wichtig. Gleichzeitig müssen wir uns stärker darauf ausrichten, dass unsere Angebote digital genutzt werden, etwa indem wir gezielter für die ARD-Mediathek und -Audiothek produzieren. Denn jüngere Menschen nutzen Medien anders und setzen auf Streamingdienste und Mediatheken. Das lässt sich zunehmend auch bei Älteren beobachten.“

Die Ergebnisse des zweiten Teils der Studie, in dem es um den Systemvergleich und die Leistungsprofile der öffentlich-rechtlichen und privaten Anbieter geht, bestätigen die wichtige Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für den Zusammenhalt der Gesellschaft und für die politische Meinungsbildung. Im Gegensatz zu den Privatsendern werden ARD und ZDF sowie die öffentlich-rechtlichen Radioprogramme für Glaubwürdigkeit, hohe journalistische Qualität, regionale Berichterstattung und Zuverlässigkeit geschätzt. Auch Hintergrundinformationen und Wissensvermittlung werden den öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Radioprogrammen ungleich häufiger zugeschrieben als den Privaten. Vor allem Unter-30-Jährige beurteilen die öffentlich-rechtlichen Programmleistungen besonders positiv. Private Fernseh- und Radioprogramme werden vor allem mit unterhaltenden Eigenschaften wie Spaß und gute Laune in Verbindung gebracht.

Die Studie ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019 wurde im Rahmen der „Studienreihe Medien und ihr Publikum“ (MiP) realisiert. Die Daten basieren auf einer repräsentativen Dual-Frame-Stichprobe von insgesamt 2000 deutschsprechenden Personen ab 14 Jahren in Deutschland. Die Studie wurde vom Institut Kantar durchgeführt und dauerte von Ende Januar bis Mitte April 2019. Eine ausführliche Analyse der Daten ist in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift „Media Perspektiven“ (Heft 7/8 2019, www.ard-werbung.de/media-perspektiven/studien/mk-trends/) als Artikel und Chartsatz dokumentiert.“

 

Bild: pino on unsplash

RADIO – PFFF … ist da die Luft raus?

Man stelle sich vor, alle Minuten, die Menschen um uns herum mit Radio – heute sagt man eher „Audio“  – verbringen sinnbildlich in einen großen Ballon gesteckt:  Er wird ganz schön dick bei durchschnittlich 181* Minuten pro Tag und Hörer.

Geht dem UKW-Radio zukünftig die Luft aus angesichts des Digitalen Wandels um im Bild zu bleiben? Gut möglich ist, dass bei einer insgesamt kleiner werdenden Bevölkerungsanzahl  die Menge der vielen Hörminuten abnimmt alleine aus demografischen Gründen. Vor allem aber angesichts neuer Hörgewohnheiten Richtung Streaming wird sich die Zusammensetzung der  Luft im Ballon verändern. Keiner weiß, ob sich dies in einem Drittel-Drittel-Drittel darstellen wird, aufgeteilt zwischen klassischem Radio, dessen Streaming-Channel-Ablegern und reinen Streaming-Diensten wie Spotify – odr nicht.

Einen Workshop im sommerschönen Hannover veranstaltet zum Thema „Streaming versus Radio – sind Vielfalt und Anbieter bedroht?“ Da kommt doch prompt ein physikalisches Institut einer deutschen  Hochschule mit einer hochkomplizierten Formel und bestätigt die im Seminar gesammelten Erkenntnisse der Musikredakteure und zugeschalteten Experten auch aus dem Ausland: Die Musikvielfalt ist höher geworden, Titel bleiben kürzer in den Charts. Gut, zu dieser Erkenntnis sind wir alle auch schon gekommen. Nur wurde das sprunghafter gewordene Verhalten der Hörer in einer 50-Jahresanalyse der Charts ermittelt, und eine mathematische Formel zur Berechnung dieser Sprunghaftigkeit verwenden die Frankfurter Forscher auch.

Nun denn: „Spinning Wheel turn around“ sangen schon Blood, Sweat and Tears. Die Szenarien, wie Hörer und Zuschauer sich sogenannten Oberflächenmedien zu- oder abwenden, hängen auch von Herz, live und life ab. Das können UKW und deren Simulcaster jetzt und bestimmt in der Zukunft weiterhin gut.

Einen Auszug des Workshops als kurzes Video im mediacampus-Linden in Hannover gehalten von Helmut Poppe mit einer interessanten Darstellung der Zahlen und der Entwicklungen nicht nur in Audio angesichts des Wettbewerbs mit Streaming findet man hier (Bild anklicken).

 

*Studie, ma 2019, Audio I, Verweildauer

4 Künstler, 4 Ansichten Mal nicht digital!

Die aktuellen Momentaufnahmen der 4/Viertel Künstler fokussieren diesmal ihre Aufmerksamkeit auf das bunte, junge, quirlige Wiesbadener Westend …. und mehr! Das Westend ist eines der dicht besiedelsten Stadtteile Deutschlands und ein Schmelztiegel der Kulturen.
Es wird wieder spannend.
Wir halten das digitale Zeitalter auf unsere ART fest.

Atelier 20
Wiesbaden, Gneisenaustraße 20, 3. Etage
Parken Elsässerplatz

04.08.2019, 14.00 bis 19.00 Uhr