Aus dem Maschinenraum: KI, Sprachen und maschinelles Kauderwelsch

„Die Zone muss gegen Kampfkatzen verteidigt werden“ ruft eher Unverständnis oder ein Lächeln hervor als dass  zum  Weiterlesen animiert wird. Wenn dann auch noch von einer „Gesellschaft“ statt Firma gesprochen wird, dämmert einem, es könnte sich um einen maschinell übersetzten Text handeln.

Eigentlich hat solch ein Verfahren aber seinen Charme und wird möglicherweise nicht nur unsere Befangenheit im Umgang mit native speakers im Ausland lockern, automatische Übersetzer haben auch eine ganz erhebliche Auswirkung auf Schule und Unterricht. Nämlich fast die Hälfte der in Schulen verbrachten Zeit mit entsprechenden Stundentafeln wird Sprachen gewidmet. Und Fremdsprachen immerhin ein Viertel. Gibt das vielleicht Raum für andere Disziplinen (wie Kompetenzerwerb im Umgang mit digitalen Medien?)

DeepL, ein Kölner Unternehmen, will  leistungsfähiger sein  als die Konkurrenz von Google, Microsoft und Facebook. Zuvor hieß das Unternehmen linguee und mit dessen Übersetzungsergebnissen kamen über die Jahre eine große Menge Trainingsdaten für das neuronale Netz von DeepL zusammen. Neuronale Netze sind eine Form  künstlicher Intelligenz, die sich fortlaufend selbst verbessert und  lernfähig ist.

Praktisch ist das Ganze jetzt schon. Abgesehen von der beschwerlichen Übersetzungsarbeit werden durch Eingabe in ein Textfeld binnen einer oder zwei Sekunden fremdsprachliche Texte schnell erzeugt, die einem nicht nur die intellektuelle Herausforderung des Übersetzens sondern vor allem zeitaufwendiges Tippen ersparen. Ein Gegenlesen oder besser eine Überprüfung durch  Muttersprachler und eine anschließende Korrektur schlecht übersetzter Passagen ist auf jeden Fall anzuraten. Damit aus dem „kraulenden Schwimmer“ keine „Kampfkatze wird“ (der Sprachcomputer hat schon skurrilen Humor, grins).

Hier Übersetzungsbeispiele aus dem wirklichen Leben und anlässlich des ersten Mai:

Originaltext auf Deutsch von Bettina Weiguny FAS vom 29.04.18:

„Sehr geehrte Personalabteilung, unser Freibad hat wieder geöffnet, der Himmel leuchtet schwimmbadwasserblau, die Sonne kitzelt meine Zehen, und Hannes hat schon unsere Jahreskarte gelöst. Was Sie das interessieren muss? Nun ja, Montag muss die Firma ohne mich auskommen. Die ersten Stunden im Freibad sind die schönsten. Und die wichtigsten. Das Revier muss markiert werden gegen die Oma-Schwimmerinnen und Kampfkrauler. Einmal zu zaghaft, und die ganze Saison ist versaut. Kurz und gut: Ich geh’ schwimmen. Bis Mittwoch!“

Hier eine Rückübersetzung ins Deutsche von teilweise missverständlichen Textteilen, die auf Französisch automatisch übersetzt wurden.

„….Unser Außenschwimmbad ….was muss das Sie interessieren?“ (gibt es als Redewendung nicht) … „die Gesellschaft wird auf mich verzichten müssen“.. .“Die Zone muss markiert (begrenzt) werden…. gegen die Kampfkatzen„.

Die automatische Übersetzung ins Französische wie soeben dargestellt, (wird beim Muttersprachler nicht verstanden werden, entsprechende Passagen kursiv ):

„Cher service du personnel, notre piscine extérieure est de nouveau ouverte, le ciel est bleu, le soleil me chatouille les orteils, et Hannes a déjà acheté notre billet annuel. Qu’est-ce qui doit vous intéresser ? Lundi, la compagnie va devoir se passer de moi. Les premières heures dans la piscine extérieure sont les meilleures. Et le plus important. La zone doit être marquée contre les grands-mères nageuses et les chats de combat. Un trop timide, et toute la saison est foutue. Bref, je vais nager. A mercredi !“

Übersetzt durch  www.DeepL.com/Translator

Eine Übersetzung ins Englische zeigt ähnliche Schwachstellen:

„granny swimmers and fighting cats“.

Trotzdem und erst recht: Viel Erfolg nach Köln! Wir warten auf den im Hemd eingebauten Translator (keine Schwarzenegger-Stimme bitte)

 

Bild: unsplash, Romain Lavigne

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