Ex-RTL-Chef Helmut Thoma sieht Scheitern von Netflix voraus

Mit seinem Gespür für Medien und mutigen Programmentscheidungen bei RTLplus, so nannte sich der Privatsender zu Beginn, machte Helmut Thoma aus RTL den erfolgreichsten und profitabelsten TV-Anbieter Europas. Noch immer ist er in der Medienbranche unterwegs und sorgte kurz vor seinem Achtzigsten für Aufmerksamkeit mit dem Urteil, dass Netflix scheitern wird. „Am Ende sind diese ganzen Serien doch immer wieder das Gleiche, das langweilt die Zuschauer irgendwann“, so sein Urteil. Er sieht für das klassische Fernsehen weiterhin eine Zukunft, wenn die Sender-Verantwortlichen Potentiale aus Virtual Reality einsetzen. Skeptisch ist er allerdings, ob dies in Europa geschieht, denn er fragt sich, woher Innovationen kommen sollen. Mit den Öffentlich-Rechtlichen (ARD und ZDF), Pro Sieben Sat 1 und RTL gebe es nur drei Marktteilnehmer, die sich gegenseitig kaum Konkurrenz machten.

Helmut Thoma (Wien 2009)

Nun denn, ob er da richtig liegt? Nachrichten und sogar KI-gesteuerte Echtzeit-Redaktion könnten die Streamer auch. Sie wären sogar dafür prädestiniert. Für mit VR/AR verstärkte TV-Seherlebnisse erst recht. Es stellt sich eher die Frage, wie lange es dauert, bis der große Block aus klassischer TV-Zeitnutzung von den nachwachsenden ,neuen‘ Medienkonsumenten abgenagt ist. Demografisch und von den Nutzungsgewohnheiten her dauert das noch gut und gerne ein paar Jahrzehnte. Bemerkenswert ist, um mehr Licht in das Dunkel der Medienanalyse zu bringen, wie unwillig  Amazon, Netflix und andere Plattformen  Nutzungszahlen herausrücken mit der Begründung, dass der  Kunden- und Datenschutz zu wahren sei. Wie viele Nutzer haben sie denn, wie viel Zeit verbringen deutsche Haushalte mit Bewegtbild-streaming? Da kommt man doch ins Schmunzeln ober der Zurückhaltung der großen Konzerne und …. ins Grübeln. „Was willst du heute sehen, Familienmitglied 1, 2, 3…, oder möchtest du etwas aus Deinen Profilvorlieben?“ so lautet doch eine Frage beim Einschalten eines Streamingangebotes. Bestimmt auch gerne irgendwann mit Alexa freundlich insistierend nachgefragt.
Dieser Artikel stammt von Helmut Poppe, ex-IPA/RTL-Verkaufsdirektor (non-TV, 🙂 )

 

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