Bunte Bilder und Klamauk in sozialen Medien

Ein kurzer Blick in soziale Medien kurz vor den Europawahlen zeigt Erstaunliches. Von Zweidrittel der deutschen Bevölkerung unbemerkt blinkt, rotiert und linkt es auf Instagram. Mit innovativen Tricks versuchen einige Politiker vor allem an Technikbegeisterte und an junge Zielgruppen zu kommen.

Länglich kommentiert werden hier ausdrücklich nicht die jüngsten Eskapaden eines Bloggers. Die FAZ meint richtig hierzu  „Mit „Diskurs“ hat das alles nichts zu tun. Es geht ums Niedermachen, um Nachtreten und – um Zerstörung. Argumente gegen das Video helfen da nicht weiter – sie werden niedergebrüllt.“ Nun denn, der  „Influencer“ hat seine Reichweiten erhöht und sein vielleicht lahmendes Klickgeschäft für später gesteigert.  Werbung  während oder vor seinem Beitrag mit der Kritik an der Politik der CDU, die ihm unmittelbaren Umsatz eingebracht hätte, hatte er aber immerhin gemäß eines “Ehrenkodex“ ausgeschaltet. Ärger mit  der zuständigen Landesmedienanstalt in Düsseldorf wäre ihm sicher gewesen. Woher einige Kommentatoren seines politischen Beitrages kommen, ist schleierhaft.

Zurück zu den Bildern: Die technische Entwicklung der Design-Tools überholt die Geschwindigkeit deren Einsatzes. Neue Instrumente bieten hohe Interaktivität, fordern Teilnahme und Interaktion  heraus, ermöglichen Echtzeitzusammenarbeit und …. machen vieles ‚ganz allein‘. Es entstehen neue Bildlichkeiten.  Künstliche Intelligenz wirkt hier mit. Die Designer und Kommunikationsspezialisten kommen kaum nach.

Deshalb einmal ein Blick auf die Entwicklung in einen Kanal von Social Media, nämlich auf den Stand des Einsatzes von neuen Kommunikationsmitteln in Instagram. Ein weiterer Blick auf VR-Einsatz mit Hologrammen. Reine Spielerei, Tand und vanity? Oder doch ein (wirtschaftliches) Instrument zur Darstellung politischer Botschaften?

Ein bekannter deutscher Kaffeeanbieter fordert zum Beispiel auf Instagram zu politischen Diskussionen auf, ein französischer Politiker („Die Republik bin ich!“, aha) lässt ich nicht nur auf Wahlkampfbühnen durch sein Hologram-Avatar vertreten, er nutzt auch Augmented Reality mit Handys und Plakaten. Durch Scannen von Kampagnenpostern mit dem Handy können Informationen über Kandidaten abgerufen werden.

Vermittelten bisher Webseiten mit viel Text, eingebetteten Bildern Videos und Links Botschaften der politischen Parteien und gehört es zu derem medialen Repertoire Plakate aufzustellen, Flyer zu verteilen, als ‚teuer‘ empfundene Printanzeigen zu nutzen, Kinospots zu schalten und ab und an auf Schaltungen (zum ‚Selbstkostenpres‘) im Fernsehen und in Funk zu hoffen. Dazu setzen Parteien natürlich auch auf Social Media. Hinlänglich in der Diskussion sind diese wegen Bots und ‚fremdgesteuerten‘ Meinungsstreuern wie eingangs vermerkt.

Wenn Social Media-Darstellungen und auch Plakatdarstellungen der einzelnen Parteien ziemlich austauschfähig aussehen, liegt dies daran, dass sie Online-Konfigurationsvorlagen nutzen, die mit Template-Systemen arbeiten. Diese Konfigurationssysteme erstellen automatisch Kacheln für Online-Parteienwerbung, für Plakate und Druckerzeugnisse und bieten die gleiche Systematik mit vorgegebenen Zeilengrößen und eine Einschränkung bei der Menge der zugelassenen Wörter, Zeilen und Bilder. Kann noch ein Markenkern einer politischen Partei singulär dargestellt werden wenn durchgängig mit solchen Instrumenten nur Raum für maximal sieben Wörter pro Zeile besteht??

Schaut  man einmal hinein in die Instagram-Bilderwelt, entdeckt man Spannendes: mit sogenannten Stickers versehene Bilder politischer Akteure laden ein zu gefällig, albern-lustig und kurzweilig gemachten Meinungs- und Abstimmungsumfragen. Kurze Links in eher heiterem Umfeld verleiten zu weiterem Nachlesen auf den Homepages der Parteien. Videos eingebaut  in werblichen Bildern sozusagen als Bild in Bild-Darstellung wie in nachfolgendem Beispiel gezeigt, sorgen für lustige Momente oder für Nachdenken.

Mitte letzten Jahres waren laut Instagram 15 Millionen Menschen in Deutschland jeden Monat auf der Bilder-Plattform aktiv, davon 7,4 Millionen bei den 20 bis 29Jährigen. Damit diese Nutzer auch Unternehmen – oder Parteienwerbung sehen, kann man natürlich Medialeistung in diesem Kanal einkaufen. Die erworbene Mediaware stellt sich dann dar unter anderem in attraktiv gemachten „Karussel“-Darstellungen in denen locker verstreut Werbung eingeschaltet ist. Der Autor dieser Zeilen selbst war einer der ersten Vermittler solcher ‚Interstitials‘, die seinerzeit ziemlich verpönt waren, von großen Marken und einem deutschen Einhorn aber eifrig eingekauft wurden. Eine vergleichende Mediaanalyse ist tricky, zumal wenn sie intermedial erfolgen soll. Frei nach dem Apfel- und Birnenvergleich ist eine Gegenüberstellung klassischer Leistungskriterien wie Nettoreichweite, Seh- und Verweildauer zwischen traditionellen und Online- Medien kaum möglich. Zudem muss man den Auswertungen der Social Media-Anbieter Glauben schenken. Auf der anderen Seite spricht das Argument der Erreichbarkeit vor allem junger und  weiblicher Zielgruppen für den Kanal Instagram.

Die bildlichen und spielerischen Umsetzungsformen in dieser zum Facebook-Konzern gehörenden Plattform sind zukunftsweisend und gehen im Vergleich mit anderen medialen Darstellungen einen Schritt voraus. Irgendwie werden diese Formen des Designs und in absehbarer Zeit auch auf anderen Kanälen in welcher Form auch immer zu sehen sein. Was geschieht, wenn – ein weiter Blick in die Zukunft? – Tastaturen durch Gehirnwellensteuerung ersetzt werden? Was bedeutet das für die Meinungsäußerung?

Hier ein Video Capture ausgehend von der Story eines politischen Akteurs. Zufällig ausgewählt und wiedergebend was einem Besucher an Eindrücken entgegenfällt. Die Verweildauer bei solchen Bewegtbildchen dürfte durchschnittlich  pro Besuchervorgang bei einigen Sekunden liegen und die Durchklickraten deutlich höher sein als bei üblicher Onlinewerbung – oder Kommunikation. Ganz entscheidend sind die Produktionskosten, sie liegen, da die Software kostenlos ist, und Jedermann/frau Bilder und Fotos von seinem Handy erstellen kann bei Null.

„There’s non time to lose!“ Europawahl und anderes:

 

Auf Bild klicken, Videos starten.

Kommentare zu anderen kurzen Videos:
Tchibo: die Handelskette zeigt, wie sie junge Frauen anspricht in Social Media, social reponsibility und Bürgerdialog miteinander verbindet und dann noch hippe hauseigene Brews ins Spiel bringt. , 17 Sek.

„Tchibo im Dialog“

 

Nigel Farage: wirbt für sich und andere, mediale Gestaltung naja, grob- und großformatig, 6 Sek.

Echte Mamas zeigen authentisch, wie sie ihr Leben mit Kindern bestreiten
https://youtu.be/VR6WawooJq0

Douglas biete wie auch die anderen Frauen-instagram-Auftritte ein Umfeld das für eine Platzierung von Botschaften im Umfeld dieser Zielgruppe mit ihren Unterzielgruppen überlegenswert macht. Hier werden mit Textnachrichten im Bild – eine spezielle Funktion für Instagram, das eigentlich nur mit Bildern und Bewegtbild arbeitet – Jobs ausgeschrieben.
https://youtu.be/GVU39DWDqSw

Digital Kindergarten zeigt, wie man Instagram gekonnt einsetzt, Links, Bilder, Verknüpfungen, Darstellungen. Der Liebling unter den hier vorgestellten Beispielen.

 

Un hier das interaktive Plakat

Screenshot Libération, Video startet bei Klick.

 

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