Impressionen von der European Radio Show

Short time out @ European radio Show

Artikel veröffentlicht am 31.01.2020 in radioszene.de

Internationale Tendenzen und Innovationen für Medienschaffende

Im Bild: Evelin und Helmut Poppe
Short time out @ European Radio Show

Den Veranstaltern der European Radio Show ist es dieses Jahr wieder gelungen, eine ungemein abwechslungsreiche Messe in Paris auf die Beine zu stellen. Die 3-Tagesveranstaltung, die in einem Kongressprogramm Roundtables, Diskussionen und Präsentationen anbot, verzeichnete nach Veranstalterangaben mehr als 8.000 Besucher vom 23. bis 25. Januar. Diese im Vergleich zu anderen Radioveranstaltungen sehr hohe Anzahl erklärt sich zum einen ganz einfach durch den freien Eintritt für Branchenakteure. So ist es auch Mitarbeitern der ‚dritten Garde‘ aus den Sendern und den umliegenden Branchen finanziell möglich, dem großen Branchentreffen in der historischen Halle de la Villette im Osten Paris beizuwohnen. Gerade diese Radioleute sind es ja schließlich, die wesentliche Innovationen einbringen und umsetzen müssen, und sie kamen zahlreich. Insgesamt gab es von allen Seiten ein großes Lob auch wegen der Vielfalt des Programms und der professionellen Organisation.

Besonders ins Auge fielen Neuigkeiten aus den Bereichen: Personalentwicklung, zur Fragestellung, ob Podcasts dasselbe Phänomen erfahren werden wie Videos auf YouTube, ob und was Frankreich und Deutschlands Radiomacher voneinander lernen können. 
Von der technischen Seite sind besonders drei Neuerungen bei Sender-Aggegratoren und Podcastsoftware zu erwähnen und … was vielleicht besonders zukunftsweisend ist, Innovationen zum Thema Tracking des Hörers, zur Profilbildung und zu der Berücksichtigung der hieraus gewonnenen Daten im Programm. Hier zeichnet sich eine Relevanz für das europäische Medienrecht ab. Eines ist klar, in Frankreich wird fleißig von Seiten des Staates Rundfunk reglementiert, was zur Folge hat, und was auch gleich an dieser Stelle eine Vorwegnahme der insgesamt gewonnen Erkenntnisse darstellt, dass Reglementierungen und hoher Wettbewerbsdruck, wie er in Frankreich viel mehr gegeben ist als in Deutschland … zu kreativen Lösungen führt.

Die deutsche Mediaanalyse MA weist 263 Sender aus, hinzukommen 78 erfasste Webradios. Im Vergleich dazu senden über 1.229 Anbieter in der gallischen Nation. Berechnet man die Netto-Werbeeinahmen auf Basis der Anzahl der Einwohner erhält man eine pro Kopf-Zahl an Werbeinvestitionen Radio von gut 10 € per Jahr in beiden Ländern, was manchen Sendereigner zu einem Stirnrunzeln bewegt, die diese Zahl naturgemäß als viel zu niedrig empfinden.
Einen Hinweis auf einen höheren Erfolg im Werbezeitenverkauf ergeben die auf Basis der gewichteten Einwohnerzahlen ermittelten Umsätze, Frankreich hat eine um 20% kleiner Bevölkerungsanzahl, gewichtet man die Nettowerbeumsätze dort entsprechend, ergeben sich zumindest gleich hohe Einnahmen insgesamt wie in Deutschland (Quelle: bump, Nielsen, VAU.net und ARD). Da das staatliche Radio in Frankreich auf 50 Mio. € Werbeeinnahmen gesetzlich limitiert ist, könnte man anteilsmäßig wie in Deutschland noch einmal etwa 200 Mio. hinzuschlagen. Im Ergebnis könnten die französischen Sender in der Gesamtheit also einiges mehr einnehmen als die hiesigen. Da sich die Reichweiten mit 76% Hörer gestern und in den Verweildauern ziemlich ähneln (Quellen: médiamétrie und MA), scheint linksrheinisch mehr Druck, Kreativität und Erfolg im Verkauf zu diesen höheren Zahlen führen. Diese vergleichenden Aufstellungen sind hier nachlesbar:

Von der Prorammseite fiel auf, dass in unserem Nachbarland stark auf das Format TALK gesetzt wird. Die vier großen nationalen Senderketten France Inter, dieser weiterhin und in Zeiten der Streiks die No.1 und Europe 1, RTL und Sud Radio betreiben nicht nur ein konsequent durchstrukturierte fast ausschließliche Talk-Angebote, sie nutzen auch im hohen Umfang begleitendes Bewegtbild und sehr viele Möglichkeiten für Hörer, um mit den Sendern in Kontakt zu treten. Die beiden in Deutschlands privaten Stationen wenig anzutreffenden Faktoren (da teuer und aufwendig) Reaktivität und Bewegtbild, führen offensichtlich zu hoher Akzeptanz und indirekt zu bedeutenden Werbeeinnahmen.

Programmerfolg und die Faktoren, die hierzu führen, laden zu einer Messung ein. Drei Anbieter stachen bei dieser Aufgabenstellung besonders ins Auge:

ACE misst Call ins und wertet diese Hörerreaktionen aus. Zusätzlich können mit dem gewonnenen Datenbestand bestimmte geplante Themen vorhersehbar gemacht werden nach Anzahl der redebereiten Hörer, deren Historie, Regionalität und Menge. Das Programm wird nach Angaben des Anbieters von führenden Senderketten im Programmalltag genutzt.

Yacast, misst im Auftrag der staatlichen Behörde CSA (diese ist teilweise vergleichbar mit unseren Medienanstalten) mit dem Instrument “Baromètre Radio” begleitend die Reichweiten des Forschungsinstituts Médiamétrie und verfolgt die „strategischen Zielsetzungen“, gemeint sind wohl Senderstrategien, deren Verhalten und Kontrolle. Da bei unseren Nachbarn der Anteil der einheimischen Titel und die Zeit/Wort-Anteile der Politiker eingehalten werden müssen, setzt die CSA ebenfalls auf diesen Dienstleister und eine Anwendung namens “MediaArchiver”.

NEUROMEDIA: Hier geht es (noch?) nicht um die Messung von Gehirnströmen oder gar um deren Beeinflussung sondern um detallierte Messungen des Hörerverhaltens. Diese zukunftsweisenden Anwendungen erlauben nicht nur, mit dem Produkt „CasterStats“ Audio- und Videostreaming zu erfassen und auszuweisen oder mit „TraxFlow“ Musiktitel zu steuern, mit dem dritten Angebot aus dem Portefeuille des belgischen Unternehmens wird – manch einer erinnert sich da noch an die vor zwanzig Jahren aufgekommene Schweizer Uhr, mit der Radionutzungsvorgänge gemessen werden sollten – jetzt hilft das Smartphone hierbei. Wie der Hersteller schreibt, sollen Radio- und TV-Inhalte digital, über UKW oder DABplus verbreitet erfasst und ausgewiesen werden.

Da solche Aufgaben auch zu dem Wirkungsbereich der deutschen Medienanstalten zählen, dürften diese sich bald solche offensichtlich bisher unerkannt gebliebenen neuen Entwicklungen näher anschauen. Bisher verlässt man sich auf Stichproben, die zumeist nicht automatisiert durchgeführt werden durch – wie man hört – Werksstudenten. Im Rahmen eines europäischen Medienrechts und mit der Zielsetzung „gleiches Recht für alle“ ergeben sich spannende Fragestellungen und neue Aufgaben. Diese sollen hier an dieser Stelle aber noch nicht besprochen werden.

Bleibt noch zu erwähnen, dass für den Alltagsbereich relevante Angebote (wieder-) in Paris entdeckt wurden: der von den deutschen Anbietern betriebene Radioplayer kann auch in Frankreich von dortigen Stationen auf Anfrage genutzt werden. Uns gefiel besonders auch der ebenfalls werbefreie Aggregator audials, der was wohl einzigartig ist, Mitschnitte gleich mit dem Handy oder dem PC erlaubt von den tausenden enthaltenen Radio- und Podcastprogrammen. Hier hat das Karlsruher Unternehmen eine ganz exzellente Anwendung geschaffen, die mehr Aufmerksamkeit in der Branche verdient.Wer es spielerisch mag und sich mit Podcasts vergnügen möchte, greife zu lilicast.com. Mit dieser einfach online zu bedienenden und exzellent assistierten Web-App lassen sich Produktionen rasch und optisch gut aufgemacht erstellen. Da griffen wir rasch zu. Die Frage, ob Podcasts die gleiche Erfolgsstory wie YouTube-Videos erfahren werden, wurde natürlich auf der European Radio Show auch gestellt. Syndikatisierungen stellen ein interessantes Modell dar. RTL Radio-Mann Christian Schalt nannte hierzu auch Erlösbeteiligungsmodelle in einer Roundtable am ersten Tag. Da bleibt nur die Frage einer zentralen Audio Landing Page, und diese steht bisher aus.

Roundtable auf der 
Hans Knobloch, Christian Schalt, Caroline Grazé, Vincent Benveniste,
Helmut Poppe bei der European Radio Show 2020
 (Bild: ©RADIOSZENE)
Hansi Knobloch, BR, Christian Schalt, RTL Radio; Caroline Grazé, radioplayer, Vincent Benveniste, DAVID Systemns, Helmut Poppe, Modertor des Roundtables

Wortbeiträge scheinen in Deutschland im Aufwind zu stehen, man beachte hierzu das neue MDR-Format „MDRfragt“ und weit über zehntausend deutschsprachige Podcast-Produktionen. Bei RADIOSZENE wurde auch jüngst über eine entsprechende Entwicklung bei der BBC berichtet. Eher skeptisch und philosophisch sah BR-Mann Hans Knobloch den Zustand des deutschen Radios „Jedes Land bekommt das Radio, das es verdient“. Podjock Gerry (Gérard) aus Liverpool und CEO von Podcast Radio, das Großes vorhat, meint, dass eher die Gesellschaft das Medium prägt. Er stellte jüngst auf LinkedIn sein neues Angebot mit einem real funny gemachten Video vor: „London wide – we cannot wait“.

Success stories 2 go: On European Radio Show

Was macht RADIO erfolgreich –
alles auf der European Radio Show

Love RADIO and DIGITAL AUDIO ? Love Germany and Austria as well ? Let the show begin !

What is the catalyst for a true Digital transformation of Radio in Germany and Austria.. The good health of the radio audience must necessarily have some logical, technical or practical explanations … What can our German friends bring to us? What French know-how can they draw on? What are the strengths and weaknesses of our respective programs? Beyond Germany, you also have to listen closely to the radio stations of neighboring Austria.
Erfahren Sie mehr in unserem Video, das vorab Ergtebnisse aus eienr komparative Studie französischer und deutscher Radios vorstellt.
Vorneweg: Wer Wettbewerb verhindern will, muss sich auf Kreativität gefasst machen. Nicht umsonst sind die Frenchies ziemlich gut im Marketing!
Learn more in our video (see below), which presents the results of a comparative study of French and German radio stations.
First of all: If you want to prevent competition, you have to be prepared for creativity. After all Frenchies are pretty good at marketing!
🙂
Hier geht es zur deutschsprachigen Version der Präsentation der Studie.
Radio in Frankreich u Deutschland – Hier sind die Erfolgsbringer.
Quels sont les catalysateurs de la transforamtion digitale dans les radios des deux pays? Quel rôle jouent les réglementations et la pub dans le développement de l#audio? Que peuvent peuvent apprendre les Allemands de leurs homologues?
Découvrez les facteurs qui font les radios francaises mieux préparées à l’avenir que leurs homologues allemandes
La vidéo ici.
L’étude comparative à commander, cliquez ici.

Comment les radios francaises se défendent bien par rapport aux Allemands. salon de la radio 2020

Lyrik vs. Robot – Die politische Ansprache zum neuen Jahr

Es ist schon bemerkenswert, wie sich der politische Diskurs über die Jahrzehnte ändert. In Frankreich ging es bei der Neujahrsansprache 1974 des damaligen Präsidenten Giscard d’Estaing um Blumen, Bäume und Erfahrungen der Menschen. Die Zeitung Libération hat die Rede des jetzigen Präsidenten Macron analysiert – das Wort “Arbeit“ kam, angesichts der aktuellen Streiks nicht weiter verwunderlich – häufig vor. Die Ansprache war insgesamt deutlich länger als diejenigen seiner Vorhänger mit 2.200 Wörtern. Das Libé-Zeitungs-Lab, ja so etwas leistet sich zukunftsweisend die Tageszeitung, hat  einen Neujahrsreden-Generator für Präsidenten erstellt. Die daraus automatisiert aus vorhergegangenen Ansprachen erstellten Texte kann man verteilen. Ja, auch das  ist „share economy“.

Ersparen möchte man dem Leser eine versuchsweise angestellte automatische Übersetzung des d’Estaing-Textes mit mehreren online-Apps. Hier eine händische Version der Endpassage aus 1974 – tja, das waren noch lyrische Zeiten:

„…1974 war ein Jahr, in dem Bäume und Blumen wuchsen, in dem sich Menschen begegneten, in dem andere lernten und produzierten und Dinge entwarfen. 1974 war ein Jahr für uns, das Teil unseres Lebens ist und das wir nie mehr erleben werden. Adieu 1974 , sei gegrüßt 1975 …“

Unsere Bundeskanzlerin beließ es in ihrer gestrigen Ansprache 45 Jahre später bei 865 Worten. ‚Key words und Tags‘ waren, wie man neuerdings sagt: Zuversicht, gute Jahre, Stärken, digitaler Fortschritt, Bildung, Arbeitsplatz, Erde, Klima, Kinder und Enkel,  Erfindergeist, Zusammenleben, Soziale Marktwirtschaft, Kommunen, Hass und Gewalt, Europäische Union, Afrika.

Hier die Textversion.

Ein Repertoire von über 10.000 Textbausteinen zu allen möglichen Redeanlässen und –themen bietet mit händischer Unterstützung durch Redakteure cicero.

Wie der „Obama Textgenerator“ funktioniert, kann man hier nachlesen.

Das Wochenmagazin Der Spiegel stellt auch einen vor.

Bundeskanzlerin.de

Beitragsbild: Libération

 

Jeder sein eigener Künstler – Übersehen wir digitales Wetterleuchten?

Manch einen packt nach einem Besuch der sensationell gut besuchten van Gogh-Ausstellung im Frankfurter Städel die Lust, auch in Bildern zu denken. Wir zeigen, wie er dem nachkommen kann.

Gerade die Senioren greifen im Städel beim Rundgang rasch und anhaltend zum Handy und lichten die Exponate ab, zumindest dort wo es erlaubt ist. Der Museumsbesuch wird bildungsfördernd mit allerlei digitalen Hilfsmitteln wie Audioerläuterungen, Texten und Grafiken unterstützt.

Der Besucher freut sich, in den Kunsthallen auf ein kostenloses Wlan zugreifen zu dürfen. Die Exposition ist mit drei Begriffen zusammengefasst:  kassiert an Werken van Goghs und ihn in Deutschland bekannt gemacht, hat ein Berliner Kunsthändler mit dem naheliegenden Namen Cassirer, eine junge Verwandte tat ihr Übriges. Legenden um das abgeschnittenen Ohr  – hier gab es offensichtlich ein Bemühen, ‚Content’ und ‚Storytelling‘ zu erzeugen, so wie man heute sagen würde, sorgten für eine erhebliche Marktwertsteigerung der Bilder. Dieser van Gogh-Mythos regte viele männliche  Künstler  an, dem Niederländer nachzueifern.

Demjenigen, der  in der dunklen Jahreszeit künstlerische Regungen empfindet, natürlich auch außerhalb, sei eine der vielen Zeichen-Apps empfohlen.  Besonders überzeugt hier Painnt, wohl gemerkt mit zwei  n, das Fotoumwandlungen erzeugt, die verblüffend großen Vorbildern wie Picasso oder van Gogh ähneln. Herunterladbar ist die App in den üblichen ‚Stores‘, auch für Apple und Windows. In unserer Bildergalerie sind das Original und zwei Produktionen dargestellt. In einer Bezahlversion entfällt das Wasserzeichen, die Bilder sind dann hochauflösend auf dem eigenen PC oder Tablet zu speichern.

Das Original, Skyline-Blick, rechts Frankfurter Eiserner Steg

Schlendert man durch das Untergeschoss eines  bekannten Elektronikhandels in der Rhein-Main-Metropole, kann man einem 3-D-Drucker bei der Produktion von kleinen Tannenbäumen zuschauen. Auch diese ‚Halb‘ -digitale Technik  hat mit Kunst zu tun. Die genannte Bildbearbeitungs-Software kombiniert mit einem 3-Dr-Drucker würde entsprechend programmiert auch kräftige oder je nach Wunsch feine Spachtel-und Pinselstriche auf Leinwand erlauben. Damit ist der Weg nicht weit zu mehr oder weniger perfekten Kunstfälschungen und zu gänzlich neuen Werken mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz ohne Zutun der menschlichen Hand. Was den Marktwert solcher Produktionen betrifft, wird aber mit Sicherheit das Original weiterhin den höheren Wert behalten.

Jetzt schon lassen sich Musikkompositionen digital erstellen.  Dieser Artikel wurde – und das sei versichert – nicht mit künstlicher Intelligenz geschrieben. Aber auch dies wird in der Zukunft möglich sein, wenn es nicht bereits, zumindest in Ansätzen, noch nicht der Fall ist. Sehen wir ein Wetterleuchten am digitalen und medialen Horizont?

 

Beitragsbild: David Moum

Wo Werbung, Print, Politik in Radio/Audio zusammen kommen

Neuerdings nennt sich Radio  nicht mehr … Radio sondern Audio. Senior-Experten ist noch der Begriff „Funk“ in Erinnerung. Geschicktes „Framing“ der neu Hinzugekommenen? Mit zahlreichen Innovationen – wie soll es auch anders sein  aus dem Digitalen – erhält das weiterhin enorm erfolgreiche Medium einen Push und wandelt sich. Gab es vor zehn Jahren in Deutschland 350 Sender sind es nun 438, die durchschnittliche Radioverweildauer aller Deutschen beträgt beachtliche 4 Stunden 9 Minuten an einem Werktag.  55 Millionen Deutsche hören Audiomedien. Radiosendern wird die höchste Glaubwürdigkeit als Nachrichtenquelle geschenkt (Zahlen MA 2019 I, GIK). Podcasts sollen laut einer PwC-Studie das beste Werbewachstum erfahren mit einer internationalen Steigerung von knapp 30% bis 2023, wohingegen die gesamte Medien- und Unterhaltungsbranche in diesem Zeitraum nur um etwas mehr als 4 % zulegen wird.

Ein Element der Transformation in der neuen Audio-Medienwelt stellen Podcasts dar. Solche Produktionen können unterhaltende oder informierende Beiträge sein, die in Serienform hergestellt werden und zeitversetzt ’non-linear‘ abrufbar und auch herunterladbar sind. Hörspiele oder  bereits on air gewesene Beiträge sogenannte ‚replays‘ gehören auch zu dieser Kategorie. Zur Wiedergabe fungiert meistens das ubiquitäre Smartphone. Über tatsächliche Nutzerzahlen liegen unterschiedliche Zahlen vor, ob sie nun aus Eigeninteresse ‚hochgejazzt‘ sind oder nicht, sie zeigen auf jeden Fall einen durchschlagenden Trend: dieser geht  Richtung Personalisierung der Hörangebote wie es viele Sender und Digitalanbieter mit zahlreichen Channels vor exerzieren.

Schaut man in einem der vielen Radio-Aggregatoren nach, welche die einzelnen Angebote thematisch sammeln, findet man in der gut gemachten App Audials (Hallo Karlruhe 🙂 ) 242.000 Beiträge in englischer Sprache und etwa  22.000 auf Deutsch von  insgesamt 365.000  imventarisierten Beiträgen (Französisch 8552, Niederländisch 2013, Schwedisch 4872. Interessant wäre hierbei eine vergleichende Gewichtung nach Anzahl der Radio-/Audio-Hörer oder der Population insgesamt).

Rund um das weite Thema Gesundheit sind bei uns in Deutschland überdurchschnittlich viele Podcasts abzurufen. Natürlich gibt es in dem neuen Medienumfeld  auch gleich Audiobeiträge mit Empfehlungen, wie solche Podcast produziert werden: der Anbieter Kondensator z. Bsp. verteilt Tipps zur Besorgung von Sounds, die er auf der empfehlenswerten US-amerikanischen Plattform NPR gefunden hat. Urheberrechtsfragen kann und sollte man nachlesen, sich aber nicht die Freude am kreativen Schaffen verderben lassen.

Eine ganz andere Dimension stellen Mitschnitte von politischen Diskussionen dar, wie hier z. Bsp. ein auf audials gefundener Podcast von Ausschusssitzungen zu den Themen Grundsteuer oder Städtebauförderung. Kompliment an die Kuratoren der App, ja, auch  politische Diskussionen sind wichtig.

Solche innovativen Features tragen wirkungsvoll zur politischen Meinungsbildung bei. Mitschnitte von Ausschusssitzungen und Debatten im deutschen Bundestag sind auch als Videos in einer Mediathek abrufbar und ebenfalls in einer verschriftlichten Form. Im Speechtotext-Verfahren ergibt sich  ein attraktives Feld für Anbieter, die alle möglichen Audioproduktionen, das gesprochene Wort mithin, auch Radiosendungen, verschriftlichen und mit Schlüsselwörtern, Indices und Tags tiefe Analysen ermöglichen. Eine Inhaltsanalyse des Wortes ist ja bisher nur möglich über analoges und zeitintensives Mithören. Viel Vorstellungskraft wird da nicht viel abverlangt bei der Frage, was mit solchen Technologien alles abrufbar und identifizierbar ist. Inhalte und die zeitliche Messung von Werbung sind nur ein ganz kleiner Teil davon.

Mit „Text2Bot“ bringt ein umgekehrtes Szenario Printerzeugnisse in die Welt des Hörens: Das Hamburger Startup Bottalk verwandelt Nachrichtenseiten in Podcasts und  macht Verlagshäuser zu Podcastern. Da lautet die Aufforderung von Helmut Poppe, Radioexperte: „Reinhören und testen, ob Satzmelodie, Intonation und dergleichen stimmig sind. Anwendungen wie narrator’s voice überzeugen bisher nicht vollkommen. Spannend werden solche Anwendungen für einen Content-Auffütterung in zielgruppenspezifischen Channels der Radio/Audio-Anbieter. Für Printverleger liegen die Vorteile auf der Hand, sie gewinnen neue Kanäle und Chancen für die Erschließung zusätzlicher Erlösquellen„.  Nach Angabe der Gründer werden große Potenziale  im Bereich digitaler Gesundheitsanwendungen gesehen. Und da schließt sich der Kreis zu der eingangs festgestellten thematischen Favorisierung.

Hier ein Beispiel der Podcasts aus dem Bundestag. Es führte durch die Sendung – pardon – Anhörung MdB Bettina Stark-Watzinger souverän mit einer klaren, freundlichen Stimme. Das PA-System in unserer Volksvertretung scheint auch exzellent zu sein.

Bald findet in Paris eine für Radiomacher und für Vertreter von Unternehmen rund um die Branche konzipierte wohl größte Radio-Audiomesse in Europa statt. Für Fachbesucher ist der Eintritt frei!

#EuropeRadioShow

@DasMedienZentrm

#radioszene

 

MdB Bettina Stark-Watzinger, screenshot Mediathek Deutscher Bundestag

Andere Bilder: screenshots audials.

La puissance de la voix – DABplus et Podcasts (version française), unten auf Deutsch

Si vous écoutez des stations TALK françaises, la question se pose encore et encore: pourquoi ce format ne fonctionne-t-il pas chez nous autres en Allemagne? OK, il y a DLF* et DW*. Mais est-ce que  celles-là, offrent-elles des programmes suceptibles à trouver de l’audience dans 10 ou 20 ans? (on entend le cliquetis des glaçons dans les verre à whisky et le râclement des pantoufles, hihi).


Du travail d’orfèvre. Capture d’écran France 2

Avec DABplus et le streaming, il serait en fait possible de créer et de distribuer un programme radio attractif en masse. L’argument que les plages cumulées des quarts quart d’heure produisent un temps d’écoute court n’est pas tout à fait valable: il suffit d’écouter Radio RMC. Une analyse de programme montre rapidement comment les réalisateurs dans cette station procèdent habilement: 28 éléments en 15 minutes (call ins, contributions du modérateur, jingles, publicité, teaser, news teaser, news…), le tout intégré dans des modérations doubles et triples et avec un fil très personnel vers les auditeurs, genre coucou aux voisins. Les interlocuteurs ont souvent bien plus que 80 ans, ils sont boulangers (horaires matinaux obligent) ou camionneurs. Un tel format fonctionnerait-il aussi rive-droite chez nous ou est-ce que latins sont-ils seulement plus enclins à causer? Possible …..

Vive la France en tout cas – pas seulement à cause des personnes âgées dynamiques. Il est également intéressant de noter que les 4 principaux fournisseurs de programmes radio proposent des images animées en parallèle c’est à dire un programme simultané TV.

Mathieu Gallet avec sa plateforme Majelan : 75% des auditeurs seraient prêts à payer. Screenshot France 2

Un élément très important du succès est certainement la VOIX des présentateurs. Complétée par la présence et le format live, LA VOIX est le facteur clé du succès des radios – et non forcément les podcasts ou in simpre moyen de distribution tel que le DABplus. L’auditeur ou l’auditrice ne se soucient pas de savoir quel canal il ou elle utilise pour la réception. Il est même certain, qu’ils ne savent même pas quel canal ils écoutent. Les podcasts auront une certaine chance avec une utilisation modulaire dans les programmes en direct existants.

Commentaire Helmut Poppe, expert radio privée de la première heure :
„La voix et l’expérience en direct sont les éléments porteurs de transformation des radios qui veulent réussir- les podcasteurs peuvent utiliser les voies de diffusion soit les programmes en direct ou des offres modulaires que les stations radio UKW proposeront éventuellement dans l’avenir. Reste à voir si l’utilisation non-linéaire sera largement répandue ou s’il reste une niche. Quoi qu’il en soit, il est bon que de nouveaux éléments trouvent leur place dans un média culturel et de masse qu’est la radio et assurent ainsi une innovation et une transformation importantes“.

*DeutschlandFunk, Deutsche Welle

 

Die Kraft des WORTES – DABplus und Podcasts

Hört man sich französische Talk-Sender an, stellt sich immer wieder die Frage, warum dieses Format nicht bei uns in Deutschland funktioniert. OK, es gibt DLF* und DW*. Die können es ja aber nicht sein (Klinkern der Eiswürfel im Whiskyglas ist zu hören und das Schlurfen der Pantoffeln, grins).

Das ist Feinarbeit. Screenshot France 2

Mit DABplus und Streaming wäre es doch eigentlich gut möglich, ein massenattraktives Radioprogramm zu erstellen und verbreiten. Dass die kumuliertenViertelstundenreichweiten geringe Hördauer erzeugen, zieht nicht so ganz: man  möge sich einmal Radio RMC anhören. Eine Programmanalyse zeigt rasch, wie die cleveren Macher dort ansetzen: 28 Elemente in 15 Minuten (call ins, Moderatorenbeiträge Jingles, Werbung, Nachrichtenteaser, Nachrichten ….), das Ganze eingebettet in Doppel- und Dreifachmoderationen uuuund  mit einem sehr persönlichen nachbarschaft-freundschaftlichen Draht zu den Hörern. Diese können durchaus über 80 sein. Funktioniert solch ein Format auch rechtsrheinisch bei uns, oder plaudern die Nachbarn auf der anderen Seite des Rheins und andere Latinos eher nur gerne? Könnte schon sein.

Vive la France jedenfalls – nicht nur wegen der rüstigen Senioren. Interessant auch, dass die 4 großen Anbieter durch die Bank Bewegtbild parallel anbieten.

 

Mathieu Gallet mit seiner Plattform Majelan: 75% aller Hörer wären bereit zu zahlen. screenshot France 2

Ein ganz wichtiges Element des Erfolges ist mit Sicherheit die STIMME der Moderatoren. Ergänzt mit der Präsenz und Echtzeit ist THE VOICE der Schlüsselfaktor erfolgreichen Radios – nicht Podcasts oder DABplus. Dem Hörer ist es gleich, über welchen Kanal er empfängt. Im Zweifel weiß er gar nicht, über welchen er gerade hört. Podcasts werden eine gewisse Chance haben mit modularem Einsatz in bestehenden Live-Programmen.

Kommentar Helmut Poppe, Privat-Radioexperte der ersten Stunde:
„Stimme und Live Experience sind die tragenden Elemente erfolgreichen Radios – meinetwegen ‚Audios‘ 🙂 – die Podcast-Anbieter können die Chance nutzen ‚live‘ gestreamte Angebote oder modulare Angebote für UKW-Radiosender  zu erstellen. Ob eine non lineare-Nutzung eine weite Verbreitung findet, wird sich zeigen. Gut ist auf jeden Fall, dass neue Elemente in dem Kultur- und Massenmedium Radio Einzug finden und für wichtige Innovation und Transformation sorgen.“

Beitragsild: Prince Abid – unsplash

*DeutschlandFunk, Deutsche Welle

 

#majelan
#EuropeRadioShow
#radioszene
#france2
@dasmedienzentrm

 

10 € only!

„Metallteile und Knochen im Kinderbrei, Plastik im Speisefisch, Byphosat im Urin, Aluminium im Deo, das ist ja wie Autowerbung in Radio France Inter…“

So gehört in einem spaßigen Beitrag zur besten Zeit auf dem staatlichen Sender France Inter. Die junge Dame dort muss sich nicht um ihr Geld kümmern, schließlich geht ihr Gehalt und das der über 5.000 Kolleginnen regelmäßig ein. Es ist interessant einmal zu sehen, welche Summen in den beiden Ländern Frankreich und Deutschland an Radiowerbung investiert werden,  und wie sehr diese Beträge zur Tragfähigkeit und der Existenz eines der größten Massenmedien beitragen.

Eine Zahl sei verraten, die 10. Much ado about nothing?

Einnahmen aus Werbung stellen für privatwirtschaftliche Sender so ziemlich die einzige Erlösquelle dar mit der sie ihre Aktivitäten betreiben können.

Privatradio- und TV wurden in beiden Ländern in den 1980er-Jahren sowohl in Frankreich wie auch in Deutschland zugelassen, um das Sende- und Meinungsmonopol zu brechen und um mehr Wettbewerb im Medienmarkt zu ermöglichen. das zur Historie – und heute? ….

Zu den Zahlen aus dem Kommerz:

Ein Vergleich ist annähernd möglich bei Beachtung der Messkriterien Brutto-Netto-Investitionen, der Ausgaben pro Kopf und nicht wie üblicherweise in Reichweiten (Altersgruppen, Zeit und Art der Erhebung, Grundgesamteinheiten), lokale und überregionale Werbung und deren Abgrenzung sowie weitere Faktoren.

Hier die erstaunlichen Zahlen:

Frankreich:
Einwohner 67 Mio. (Insee), Werbemusätze Radio 701 Mio. €, Bump
per capita 10,46 €.

Deutschland:

Einwohner 82,8 Mio., (Eurostat), Werbeumsätze Radio 834 Mio., (Quelle: Vau.net und Nielsen)
per capita 10,07 €. 

Was sagen uns diese Werte?

Erstaunlich schon sind die ziemlich ähnlichen zweistelligen Zahlen und deren relative  Überschaubarkeit. Kritiker dürften sich sogar zu der Äußerung hinreißen lassen „ So viel Lärm für wenig?

Spaß beiseite, über 450 Radiosender in Deutschland und 1250 in Frankreich (!) tragen nicht nur zu mehr redaktioneller Vielfalt bei – dies alleine ist schon ein wichtiges Pfund bei der Argumentation für private  Regional – und die zahlreichen Lokalsender. Ganz wichtig ist deren Nähe zu den Hörern, und hier eröffnet sich dem weiterhin jungen Medium eine große  Zukunft: in einer Epoche in der enorm viel Zeit in sozialen Medien von breiten Bevölkerungsschichten verbracht wird, steht ihnen Tür und Tor auf für andere Formen der Kommunikation – ein Format lautet hierbei „TALK“!

Auf dieses Format wird an dieser Stelle in einem Ländervergleich ausführlich eingegangen. Auch wird der wirtschaftliche Erfolg ausgewählter Sender  auf der Basis erreichte Hörer und erzielte Umsätze analysiert. Welche Rolle spielt hierbei wohl das WORT?

An dieser Stelle ein VERANSTALTUNGSHINWEIS für Radio-Professionals

 

#europeradioshow

 

Indicateurs radio, Bump, lalettre.pro

Spotifys neues Angebot „Daily Drive” – Optik auf ersten Blick eher bescheiden

KURZTEST: Programm aus personalisierter Musikauswahl mit Nachrichten von Deutschlandfunk und Podcasts etablierter Printpublikationen wurde gestartet.
Ein Bericht.

Michael Krause, Managing Director Spotify Central Europe sieht die Position des Anbieters gestärkt, da er als erster Streaming-Dienst Nutzern Playlists mit einem Mix aus Podcasts und Musik anbiete. Ein weiterer Clou soll darin bestehen, dass tageszeit- und stimmungsabhängig die Playlist und der Nachrichtenstand regelmäßig aktualisiert werde.

Nun denn, richtig attraktiv sieht das Ganze optisch zumindest zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht aus. Die Audioinhalte sind wohl eher etwas eklektisch und kulturlastig. Richtige Livestimmung mag da nicht aufkommen. Insgesamt gewinnt man den Eindruck, dass rasch einige Contenterzeuger gefunden werden mussten, um ein vorzeigbares Ergebnis zu produzieren. Auch der Begiff „Daily Drive“ wirkt ein wenig gewollt, wer hört sich solch ein kuratiertes Audio-Angebot im Auto an?

Mit KI für die automatisierte Nachrichtenerstellung und mit spritzigen Live-Moderatoren kann sich das Formatieren von Radioprogrammen aber in der Zukunft heftig wandeln. Werden Wetten eingegangen, wann es so weit ist?

Irgendwie könnte man schon das Gefühl haben, dass die deutschen Radioanbieter unter Innovation Dinge sehen wie ‚programmatic‘, ‚podcasts‘, ‚voice assistants‘ und ’streaming‘ überhaupt. Nur was geschieht Richtung Programmgestaltung mit wirklichen Innovationen? Ein nationales Talkprogramm zum Beispiel, das breite Hörergruppen begeistert und zu Interaktion einlädt, steht aus. Dies in einer Epoche, wo enorm viel Zeit in sozialen Medien mit politischer Meinungsäußerung aller Couleur verbracht wird. Dies sind Mediennutzungszeiten, die Radio Gefahr läuft zu verlieren.

Zur Erinnerung, Radio gemany.net hatte diesen Ansatz – nämlich prgrammiertes Radio -bereits 1999! Und zu diesem Zeitpunkt dachte man schon an robotisierte Wortredaktion … die Musik gab‘s allerdings noch von CDs.

Im Bild die Auswahl des Programms „Daily Drive“ getestet mit einem Premium Account. Das Angebot besteht auch im werbefinanzierten kostenfreien Stream.