8/8: Acht berufliche Stationen in …. 8 Jahren

Medienanbieter verlangen jungen Arbeitnehmern viel ab.
Trifft auch für Audio zu.

Beim Lesen von Lebensläufen und beruflichen „Werdegängen“  in der Audio-/Radiobranche springt einem ein  Muster ins Auge:  lief es früher eher ‚steady‘ ab, sind heute rasche Wechsel angesagt.

Im Rahmen von zwei Teilaspekten einer Branchenanalyse  „Reichweiten und Werbung UKW vs Streaming“  und „Innovationskraft der Medienlandschaft“ (mehr dazu zu einem späteren Zeitpunkt), auf Berufsbiografien gestoßen, die viel aussagen über Einstellungen und Verhaltensmuster verschiedener Generationen.  Nicht unüblich sind heutzutage ein halbes Dutzend Jobwechsel  im Audio-Radiobereich binnen weniger Jahre und dann, wenn der junge Berufseinsteiger Glück hat,  der Wechsel zu einem – zumeist internationalen – Anbieter, der dann auch noch häufig in der Bundeshauptstadt sitzt.  Diese nehmen gerne Youngster aus dem digitalen Bereich, denn gerade von dort kommen ja auch schließlich die Wettbewerber. Von den Neueinstellungen erhofft man sich wichtige Impulse,  gewonnen aus den gesammelten Erfahrungen in den verschiedenen Stationen rund um Audio.

Schauen die Recruiter über fehlende Jahresangaben und Lücken im CV hinweg? – oder greift man auf den erfahrenen Door Opener zurück in der Person eines persönlichen Coachs? Sabbaticals und Elternurlaube sind durchaus zu finden, und diese zeigen eine gewisse Distanz der Berufseinsteiger zu konsequenten Karrierezielen und für das Besteigen einer Hierarchieleiter. Ganz spannend in diesem Umfeld  auch das häufige Kleben an dem Berliner Standort, zur Not wird auch flexibel und remote gearbeitet. Die internationale Adresse bleibt bewahrt und der relocation-Service, wenn es ihn denn gibt, wird nicht in Anspruch genommen.

Erfindet sich Radio mit solchen Biografien neu?

Ein Blick auf die CVs alt Eingesessener, lässt bei leitenden Funktionen häufig eine einzige Position erkennen, der  Marketingleiter, Senderchef oder der  verantwortliche Redakteur ist mitunter schon seit dreißig Jahren dabei. Haben diese Weichensteller den Willen und das digitale Know-How,  Neues zu fördern und zu entwickeln? Können Sie – gerade bei regionalen Strukturen – Entscheidungen bei den Gesellschaftern durchboxen? Auf jeden Fall bringen sie eine Menge Wissen und Erfahrung mit und können Vergleiche anstellen. Dies dürfte den Neueinsteigern schwerer fallen.

Denen fehlt häufig fundiertes Mediawissen und der Zugang zu den Entscheidern über Mediabudgets in Agenturen und bei den Werbekunden. Neueinsteiger haben zwar einen formal wesentlich höheren Bildungsstand als den, die Radioleute vor dreißig Jahren mitbrachten. Quervergleiche zu Geschäftsmodellen früher und jetzt mit digital getriebenen, fallen ihnen aber häufig schwer oder sind ihnen schlichtweg nicht möglich. Schenkt man den Aussagen von Personalern im Radio Glauben, schreckt die Jungen auch noch anderes ab. Hieß es vor gar nicht so langer Zeit noch „Hauptsache was mit Medien“, hat der Andrang junger Berufseinsteiger bei Radioanbietern deutlich abgenommen. Gründe hierfür sind zu finden  in der doch insgesamt heftigen zeitlichen  Beanspruchung bei den Medienanbietern und bei dem abverlangten Input. Digitale Welten erscheinen zudem attraktiver und bieten mehr Glitzer und Spielfeld. Bestätigung für diese ‚Unverbindlichkeits‘-These und eine mangelnde Work-Balance- findet man in Beurteilungen auf entsprechenden Plattformen und in Gesprächen.

Wie steht‘s mit der Zukunftsfähigkeit? Kann sich Radio mit solchen Konstellationen neu erfinden?

Die Audio-Radiobranche in Deutschland ist insgesamt recht überschaubar. Zwar ist durch die neuen Streaminganbieter die Anzahl der Stationen auf über 400 gestiegen. Die Menge  der Entscheider aber, tätig  in einem  halben Dutzend der maßgeblichen Ketten, liegt in einem zweistelligen  Bereich. Dies ist nicht viel in einer Branche, die unter 20.000 Mitarbeiter in Deutschland zählt. Der Altersdurchschnitt des Personals in diesem überschaubaren Geschäftsfeld liegt eher bei dem Durchschnittsalter der Radiohörer gesamt, was einige Frage offen lässt. Auch hier hat sich viel geändert in den letzten Jahrzehnten, früher waren die Belegschaften durchweg jung – in der jungen Privatradiowelt.

Fazit also: von unten drängen neue mögliche Impulsgeber vor, die mit angezogener Handbremse einsteigen. Oben – altersmäßig – wird mit Interesse auf neue Entwicklungen geschaut und durchaus auf technologische Entwicklungen reagiert, Stichwort Channels, Streams, Podcasts und Sprachassistenten. All diese Neuerungen verlangen hohe Investitionen. Solange Radio brummt, und dies tut es, wird die Zukunft finanzierbar sein. Letztendlich entscheidet der Hörer. Das Verständnis für ihn gewinnt man aber nicht über Hype-Begeisterung für Technik und weniger wie behauptet über Tracking und „user insights“. Die neuen Technologien  dienen alleinig als proaktiver Distributionskanal. Proaktiv, da man den Radio-Markt  nicht den GAFAS überlassen will. Die wahren Erfolgselemente  lauten BEGEISTERUNG der Hörer kreieren und die passion for radio der Macher. Dies geht über Interaktion, Mitmachen, Talk und neue Programmformate überhaupt.

Solche Transformationselemente stammen aus der Contenterzeugung , dem Programmbereich, dem produkt an sich. Personal-Incentives, eine mitarbeiterfreundliche Gestaltung der Work Life Balance, die Hilfe bei der eigenen beruflichen Entwicklung und die Unterstützung interner Betriebsabläufe – jetzt kommt IT zum Zuge – durch IT-getriebene Verfahren, sind die wesentlichen Elemente zur Attraktivierung der Medien- und Audio-/Radiobranche. Mehr dazu hier an dieser Stelle, nach Ankündigung oder einfach vorbeischauen.

Nebenbei: der Autor  dieser  Zeilen befand sich in dem genannten Lebensabschnitt auch in ständiger Suche. Volles Verständnis also für die Neueinsteiger.

Erkennt man hier Wandel und …. Flexibilität?

 

Beispiele anonymisiert. Bild: clem-onojeghuo-unsplash

DAB+ etc. ….

Da meinen einige, dass bei der Diskussion, ob Webradios im Wettbewerb mit Dab+-Verbreitung verlieren: „Hier wird Selbstbetrug betrieben! In großem Maßstab. In meinem eigenen Umfeld kenne ich haufenweise Leute (mich eingeschlossen), die zwar DAB+ Geräte haben und die Sender auch abgespeichert haben.
Die aber kein DAB+ hören, sondern entweder noch die alte UKW-Ausstrahlung („ist einfacher und nicht schlechter“) bzw. den Internet-Stream (z.B. wegen Nutzung von Alexa & Co.)..“ (yes_mc)

So ist es. Man gewinnt den Eindruck, dass ‚Interessierte‘ das uralte Thema DAB+ hypen. 600 Mio. € können für die Umstellung Öffentlich-Rechtliche schon stemmen. (Sollen sie vllt. auch für die ‚Grundversorgung‘). Was bisher aber noch nicht deutlich gefragt wurde: Wie sieht es denn mit einer
v e r g l e i c h b a r e n Nutzungs DAUER aus? Und vergleichbaren Ermittlungsmethoden. Der Begriff ‚Streamsessions‘ sagt nicht viel aus. Steckt man alle Hörminuten fein getrennt nach DAB, Stream, UKW in einen Beutel, ist der Anteil von DAB minimal. Sieht man den Beutel als Ballon und schaut sich ihn 2030 an: wieviel Luft geht hinaus? Siehe auch #dasmedienzentrm

 

Im Bild: Privatfunker Helmut Poppe mit ex-Staatsminister Klaus-Jürgen Hoffie

 

ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019: Sieben Stunden Mediennutzung täglich – Mediatheken und Streamingdienste werden immer wichtiger

Die um Beitrag zuvor aufgestellte Analyse kommt auch zu dem Ergebnis, dass das Gros der Mediennutzungszeit noch und wohl auch lange weiterhin linear erfolgt. Ausschlaggebend für die hohen Werte bei der Medienzeitbudgets sind die Referenzwerte „Verweildauer“, „Viertelstundenreichweiten“ , „Stundennettoreichweite“ und „Hördauer“. Schaut man sich die tatsächlichen konkreten Minuten an, könnte man leicht zu anderen und niedrigeren Ergebnissen kommen. Wie auch immer, Streaming wird einen Teil der Mediennutzung in der Zukunft ausmachen. Entscheidend sind aber die Ersteller und Distributoren des Content. Da haben angestammte Anbieter gute Karten in der Hand. Letztendlich entscheidet der Hörer und Zuschauer.

Zur Meldung des HR und der ARD
„Im Durchschnitt verbringen die Deutschen täglich sieben Stunden mit medialen Video-, Audio- und Textinhalten. Bei den Unter-30-Jährigen ist es eine gute Stunde weniger. In dieser Altersgruppe wird der Trend zur non-linearen Nutzung deutlich. In der Gesamtbevölkerung dominiert bei der Bewegtbildnutzung das lineare Fernsehen mit einem Anteil von 76 Prozent, während das Radio mit 79 Prozent den Löwenanteil der Audionutzung ausmacht.

Zu diesen zentralen Ergebnissen kommt die Studie ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019, die im dritten Jahr in Folge im Rahmen der Studienreihe „Medien und ihr Publikum“ (MiP) im Auftrag der ARD/ZDF-Forschungskommission durchgeführt wurde.

Betrachtet man die für Medien aufgewendete Zeit, verbringt die Bevölkerung täglich sieben Stunden mit Medieninhalten (420 Min.). Nur rund eine Stunde entfällt auf das Lesen von Texten, wobei sich auch die Textnutzung zunehmend ins Netz verlagert. Die meiste Zeit entfällt auf das Ansehen von Videos (3:22 Std., 202 Min.) und die Audionutzung (3:06 Std., 186 Min.). In der Gesamtbevölkerung dominieren nach Nutzungsdauer die lineare Fernsehnutzung mit 76 Prozent sowie die lineare Radionutzung mit 79 Prozent.

Bei den 14- bis 29-Jährigen ist eine deutlich andere Nutzung zu beobachten. Ihre für Medien aufgewendete Zeit ist mit 5:57 Stunden (357 Min.) geringer als die der Gesamtbevölkerung. Von der Zeit zur Videonutzung werden 33 Prozent mit Fernsehen, live zum Ausstrahlungszeitpunkt, verbracht – 67 Prozent entfallen auf die zeitversetzte Nutzung von Fernseh- und Videoinhalten. Bei Audio verhält es sich ähnlich, allerdings abgeschwächt. Hier liegt das Verhältnis bei 42 Prozent linearer Radionutzung gegenüber 58 Prozent zeitsouveräner Nutzung in Form von Musik-Streaming (41 Prozent), Musik über CDs (14 Prozent) und Podcasts (3 Prozent). Dies dokumentiert den Trend zur zeitsouveränen Nutzung, wobei der Erfolg nach wie vor vom Inhalt abhängt.

Betrachtet man, wie groß die Anteile in der Bevölkerung sind, die verschiedene Medien nutzen, ergibt sich folgendes Bild: An einem Tag werden durchschnittlich 87 Prozent der Bevölkerung von Videoangeboten erreicht. Dabei erzielt das lineare Fernsehen mit 67 Prozent trotz leichter Verluste nach wie vor die höchsten Tagesreichweiten. Ähnlich sieht es bei Audio aus: An einem Tag haben durchschnittlich 81 Prozent der Bevölkerung ein Audioangebot gehört, wobei mit 71 Prozent die meisten Menschen mit klassischem Radio erreicht werden. Analog zur Nutzungsdauer zeigt sich auch nach Reichweiten bei Unter-30-Jährigen der Trend zur zeitsouveränen Nutzung von Video und Audio: Streamingdienste, Videoplattformen und Mediatheken haben dabei die klassischen Verbreitungswege eingeholt. Konkurrenz erwächst den Fernsehsendern dabei zunehmend durch Streamingdienste von Netflix und Amazon, die ähnliche Nutzungsmuster wie das Fernsehen aufweisen. Bei den Radiosendern sind es vor allem Streamingdienste wie Spotify, die im Musikbereich konkurrieren.

Der ZDF-Intendant und Vorsitzende der ARD/ZDF-Medienkommission Dr. Thomas Bellut: „Die aktuellen Ergebnisse bestätigen einmal mehr, dass wir den Nutzerinnen und Nutzern auch im digitalen Raum einen individuellen Zugang und auf sie zugeschnittene Inhalte anbieten müssen. Wir sind dabei auf dem richtigen Weg, aber der Wettbewerb mit den Streamingdiensten nimmt weiter zu. Wir arbeiten deshalb etwa auch daran, den Zugang zu unserer Mediathek auf den Fernsehgeräten zu erleichtern.“

Bei den jüngeren Hörern unter 30 Jahren liegen das tägliche Radiohören und das Hören non-linearer Musik auf gleichem Tagesniveau (Radio: 52 Prozent, Musik: 53 Prozent). Dabei werden bei jungen Hörern Streamingdienste wie Spotify mit 30 Prozent Tagesreichweite immer populärer. Musik über CDs und andere Tonträger (20 Prozent) wurde inzwischen von diesen Angeboten überholt. Mit 6 Prozent ist auch die Tagesreichweite von Podcasts und zeitversetztem Radio bei den Jüngeren doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.

Der Intendant des Hessischen Rundfunks und stellvertretende Vorsitzende der ARD/ZDF-Medienkommission Manfred Krupp: „Die Untersuchung zeigt, dass unser eingeschlagener Weg in der ARD richtig ist. Die klassische Verbreitung unserer Inhalte über Radio und Fernsehen bleiben wichtig. Gleichzeitig müssen wir uns stärker darauf ausrichten, dass unsere Angebote digital genutzt werden, etwa indem wir gezielter für die ARD-Mediathek und -Audiothek produzieren. Denn jüngere Menschen nutzen Medien anders und setzen auf Streamingdienste und Mediatheken. Das lässt sich zunehmend auch bei Älteren beobachten.“

Die Ergebnisse des zweiten Teils der Studie, in dem es um den Systemvergleich und die Leistungsprofile der öffentlich-rechtlichen und privaten Anbieter geht, bestätigen die wichtige Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für den Zusammenhalt der Gesellschaft und für die politische Meinungsbildung. Im Gegensatz zu den Privatsendern werden ARD und ZDF sowie die öffentlich-rechtlichen Radioprogramme für Glaubwürdigkeit, hohe journalistische Qualität, regionale Berichterstattung und Zuverlässigkeit geschätzt. Auch Hintergrundinformationen und Wissensvermittlung werden den öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Radioprogrammen ungleich häufiger zugeschrieben als den Privaten. Vor allem Unter-30-Jährige beurteilen die öffentlich-rechtlichen Programmleistungen besonders positiv. Private Fernseh- und Radioprogramme werden vor allem mit unterhaltenden Eigenschaften wie Spaß und gute Laune in Verbindung gebracht.

Die Studie ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019 wurde im Rahmen der „Studienreihe Medien und ihr Publikum“ (MiP) realisiert. Die Daten basieren auf einer repräsentativen Dual-Frame-Stichprobe von insgesamt 2000 deutschsprechenden Personen ab 14 Jahren in Deutschland. Die Studie wurde vom Institut Kantar durchgeführt und dauerte von Ende Januar bis Mitte April 2019. Eine ausführliche Analyse der Daten ist in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift „Media Perspektiven“ (Heft 7/8 2019, www.ard-werbung.de/media-perspektiven/studien/mk-trends/) als Artikel und Chartsatz dokumentiert.“

 

Bild: pino on unsplash

RADIO – PFFF … ist da die Luft raus?

Man stelle sich vor, alle Minuten, die Menschen um uns herum mit Radio – heute sagt man eher „Audio“  – verbringen sinnbildlich in einen großen Ballon gesteckt:  Er wird ganz schön dick bei durchschnittlich 181* Minuten pro Tag und Hörer.

Geht dem UKW-Radio zukünftig die Luft aus angesichts des Digitalen Wandels um im Bild zu bleiben? Gut möglich ist, dass bei einer insgesamt kleiner werdenden Bevölkerungsanzahl  die Menge der vielen Hörminuten abnimmt alleine aus demografischen Gründen. Vor allem aber angesichts neuer Hörgewohnheiten Richtung Streaming wird sich die Zusammensetzung der  Luft im Ballon verändern. Keiner weiß, ob sich dies in einem Drittel-Drittel-Drittel darstellen wird, aufgeteilt zwischen klassischem Radio, dessen Streaming-Channel-Ablegern und reinen Streaming-Diensten wie Spotify – odr nicht.

Einen Workshop im sommerschönen Hannover veranstaltet zum Thema „Streaming versus Radio – sind Vielfalt und Anbieter bedroht?“ Da kommt doch prompt ein physikalisches Institut einer deutschen  Hochschule mit einer hochkomplizierten Formel und bestätigt die im Seminar gesammelten Erkenntnisse der Musikredakteure und zugeschalteten Experten auch aus dem Ausland: Die Musikvielfalt ist höher geworden, Titel bleiben kürzer in den Charts. Gut, zu dieser Erkenntnis sind wir alle auch schon gekommen. Nur wurde das sprunghafter gewordene Verhalten der Hörer in einer 50-Jahresanalyse der Charts ermittelt, und eine mathematische Formel zur Berechnung dieser Sprunghaftigkeit verwenden die Frankfurter Forscher auch.

Nun denn: „Spinning Wheel turn around“ sangen schon Blood, Sweat and Tears. Die Szenarien, wie Hörer und Zuschauer sich sogenannten Oberflächenmedien zu- oder abwenden, hängen auch von Herz, live und life ab. Das können UKW und deren Simulcaster jetzt und bestimmt in der Zukunft weiterhin gut.

Einen Auszug des Workshops als kurzes Video im mediacampus-Linden in Hannover gehalten von Helmut Poppe mit einer interessanten Darstellung der Zahlen und der Entwicklungen nicht nur in Audio angesichts des Wettbewerbs mit Streaming findet man hier (Bild anklicken).

 

*Studie, ma 2019, Audio I, Verweildauer

4 Künstler, 4 Ansichten Mal nicht digital!

Die aktuellen Momentaufnahmen der 4/Viertel Künstler fokussieren diesmal ihre Aufmerksamkeit auf das bunte, junge, quirlige Wiesbadener Westend …. und mehr! Das Westend ist eines der dicht besiedelsten Stadtteile Deutschlands und ein Schmelztiegel der Kulturen.
Es wird wieder spannend.
Wir halten das digitale Zeitalter auf unsere ART fest.

Atelier 20
Wiesbaden, Gneisenaustraße 20, 3. Etage
Parken Elsässerplatz

04.08.2019, 14.00 bis 19.00 Uhr

Media Wednesday in Frankfurt

Media Wednesday in Frankfurt

Why radio? / Radio in times of streaming: Think globally, broadcast locally.

Former managing director Hitradio FFH: „Radio will take on new technical challenges. The average listener decides and rarely knows which channel he actually uses.“

Alex Zeitlhack: „Radio and words are extremly powerful combinations that create strong impressions in the minds of listeners“.

Petra Klaus: „We do need independent local stations to publsih different ideas and … music beyond main stream.“

Over all opinion: streaming and podcasts are less a competition than a plus in an entire audio scheme. Radio experiences at the moment a real renaissance. Its knowledge and focus on neighborhood  in real time can not be equaled by streaming.

In the discussion round: Alexander Zeitelhack, radio pioneer and director of radio consulting agency BCI, one of the most successful radio producers in Germany: Hans-Dieter Hillmoth, the co-founder of the non-commercial radio station „X“ in Frankfurt Petra Klaus and the director of the supervisory authority and broadcasting licensing entity Hessische Landesanstalt Joachim Becker.

 

MedienMittwoch site

Bunte Bilder und Klamauk in sozialen Medien

Ein kurzer Blick in soziale Medien kurz vor den Europawahlen zeigt Erstaunliches. Von Zweidrittel der deutschen Bevölkerung unbemerkt blinkt, rotiert und linkt es auf Instagram. Mit innovativen Tricks versuchen einige Politiker vor allem an Technikbegeisterte und an junge Zielgruppen zu kommen.

Länglich kommentiert werden hier ausdrücklich nicht die jüngsten Eskapaden eines Bloggers. Die FAZ meint richtig hierzu  „Mit „Diskurs“ hat das alles nichts zu tun. Es geht ums Niedermachen, um Nachtreten und – um Zerstörung. Argumente gegen das Video helfen da nicht weiter – sie werden niedergebrüllt.“ Nun denn, der  „Influencer“ hat seine Reichweiten erhöht und sein vielleicht lahmendes Klickgeschäft für später gesteigert.  Werbung  während oder vor seinem Beitrag mit der Kritik an der Politik der CDU, die ihm unmittelbaren Umsatz eingebracht hätte, hatte er aber immerhin gemäß eines “Ehrenkodex“ ausgeschaltet. Ärger mit  der zuständigen Landesmedienanstalt in Düsseldorf wäre ihm sicher gewesen. Woher einige Kommentatoren seines politischen Beitrages kommen, ist schleierhaft.

Zurück zu den Bildern: Die technische Entwicklung der Design-Tools überholt die Geschwindigkeit deren Einsatzes. Neue Instrumente bieten hohe Interaktivität, fordern Teilnahme und Interaktion  heraus, ermöglichen Echtzeitzusammenarbeit und …. machen vieles ‚ganz allein‘. Es entstehen neue Bildlichkeiten.  Künstliche Intelligenz wirkt hier mit. Die Designer und Kommunikationsspezialisten kommen kaum nach.

Deshalb einmal ein Blick auf die Entwicklung in einen Kanal von Social Media, nämlich auf den Stand des Einsatzes von neuen Kommunikationsmitteln in Instagram. Ein weiterer Blick auf VR-Einsatz mit Hologrammen. Reine Spielerei, Tand und vanity? Oder doch ein (wirtschaftliches) Instrument zur Darstellung politischer Botschaften?

Ein bekannter deutscher Kaffeeanbieter fordert zum Beispiel auf Instagram zu politischen Diskussionen auf, ein französischer Politiker („Die Republik bin ich!“, aha) lässt ich nicht nur auf Wahlkampfbühnen durch sein Hologram-Avatar vertreten, er nutzt auch Augmented Reality mit Handys und Plakaten. Durch Scannen von Kampagnenpostern mit dem Handy können Informationen über Kandidaten abgerufen werden.

Vermittelten bisher Webseiten mit viel Text, eingebetteten Bildern Videos und Links Botschaften der politischen Parteien und gehört es zu derem medialen Repertoire Plakate aufzustellen, Flyer zu verteilen, als ‚teuer‘ empfundene Printanzeigen zu nutzen, Kinospots zu schalten und ab und an auf Schaltungen (zum ‚Selbstkostenpres‘) im Fernsehen und in Funk zu hoffen. Dazu setzen Parteien natürlich auch auf Social Media. Hinlänglich in der Diskussion sind diese wegen Bots und ‚fremdgesteuerten‘ Meinungsstreuern wie eingangs vermerkt.

Wenn Social Media-Darstellungen und auch Plakatdarstellungen der einzelnen Parteien ziemlich austauschfähig aussehen, liegt dies daran, dass sie Online-Konfigurationsvorlagen nutzen, die mit Template-Systemen arbeiten. Diese Konfigurationssysteme erstellen automatisch Kacheln für Online-Parteienwerbung, für Plakate und Druckerzeugnisse und bieten die gleiche Systematik mit vorgegebenen Zeilengrößen und eine Einschränkung bei der Menge der zugelassenen Wörter, Zeilen und Bilder. Kann noch ein Markenkern einer politischen Partei singulär dargestellt werden wenn durchgängig mit solchen Instrumenten nur Raum für maximal sieben Wörter pro Zeile besteht??

Schaut  man einmal hinein in die Instagram-Bilderwelt, entdeckt man Spannendes: mit sogenannten Stickers versehene Bilder politischer Akteure laden ein zu gefällig, albern-lustig und kurzweilig gemachten Meinungs- und Abstimmungsumfragen. Kurze Links in eher heiterem Umfeld verleiten zu weiterem Nachlesen auf den Homepages der Parteien. Videos eingebaut  in werblichen Bildern sozusagen als Bild in Bild-Darstellung wie in nachfolgendem Beispiel gezeigt, sorgen für lustige Momente oder für Nachdenken.

Mitte letzten Jahres waren laut Instagram 15 Millionen Menschen in Deutschland jeden Monat auf der Bilder-Plattform aktiv, davon 7,4 Millionen bei den 20 bis 29Jährigen. Damit diese Nutzer auch Unternehmen – oder Parteienwerbung sehen, kann man natürlich Medialeistung in diesem Kanal einkaufen. Die erworbene Mediaware stellt sich dann dar unter anderem in attraktiv gemachten „Karussel“-Darstellungen in denen locker verstreut Werbung eingeschaltet ist. Der Autor dieser Zeilen selbst war einer der ersten Vermittler solcher ‚Interstitials‘, die seinerzeit ziemlich verpönt waren, von großen Marken und einem deutschen Einhorn aber eifrig eingekauft wurden. Eine vergleichende Mediaanalyse ist tricky, zumal wenn sie intermedial erfolgen soll. Frei nach dem Apfel- und Birnenvergleich ist eine Gegenüberstellung klassischer Leistungskriterien wie Nettoreichweite, Seh- und Verweildauer zwischen traditionellen und Online- Medien kaum möglich. Zudem muss man den Auswertungen der Social Media-Anbieter Glauben schenken. Auf der anderen Seite spricht das Argument der Erreichbarkeit vor allem junger und  weiblicher Zielgruppen für den Kanal Instagram.

Die bildlichen und spielerischen Umsetzungsformen in dieser zum Facebook-Konzern gehörenden Plattform sind zukunftsweisend und gehen im Vergleich mit anderen medialen Darstellungen einen Schritt voraus. Irgendwie werden diese Formen des Designs und in absehbarer Zeit auch auf anderen Kanälen in welcher Form auch immer zu sehen sein. Was geschieht, wenn – ein weiter Blick in die Zukunft? – Tastaturen durch Gehirnwellensteuerung ersetzt werden? Was bedeutet das für die Meinungsäußerung?

Hier ein Video Capture ausgehend von der Story eines politischen Akteurs. Zufällig ausgewählt und wiedergebend was einem Besucher an Eindrücken entgegenfällt. Die Verweildauer bei solchen Bewegtbildchen dürfte durchschnittlich  pro Besuchervorgang bei einigen Sekunden liegen und die Durchklickraten deutlich höher sein als bei üblicher Onlinewerbung – oder Kommunikation. Ganz entscheidend sind die Produktionskosten, sie liegen, da die Software kostenlos ist, und Jedermann/frau Bilder und Fotos von seinem Handy erstellen kann bei Null.

„There’s non time to lose!“ Europawahl und anderes:

 

Auf Bild klicken, Videos starten.

Kommentare zu anderen kurzen Videos:
Tchibo: die Handelskette zeigt, wie sie junge Frauen anspricht in Social Media, social reponsibility und Bürgerdialog miteinander verbindet und dann noch hippe hauseigene Brews ins Spiel bringt. , 17 Sek.

„Tchibo im Dialog“

 

Nigel Farage: wirbt für sich und andere, mediale Gestaltung naja, grob- und großformatig, 6 Sek.

Echte Mamas zeigen authentisch, wie sie ihr Leben mit Kindern bestreiten
https://youtu.be/VR6WawooJq0

Douglas biete wie auch die anderen Frauen-instagram-Auftritte ein Umfeld das für eine Platzierung von Botschaften im Umfeld dieser Zielgruppe mit ihren Unterzielgruppen überlegenswert macht. Hier werden mit Textnachrichten im Bild – eine spezielle Funktion für Instagram, das eigentlich nur mit Bildern und Bewegtbild arbeitet – Jobs ausgeschrieben.
https://youtu.be/GVU39DWDqSw

Digital Kindergarten zeigt, wie man Instagram gekonnt einsetzt, Links, Bilder, Verknüpfungen, Darstellungen. Der Liebling unter den hier vorgestellten Beispielen.

 

Un hier das interaktive Plakat

Screenshot Libération, Video startet bei Klick.

 

Ex-RTL-Chef Helmut Thoma sieht Scheitern von Netflix voraus

Mit seinem Gespür für Medien und mutigen Programmentscheidungen bei RTLplus, so nannte sich der Privatsender zu Beginn, machte Helmut Thoma aus RTL den erfolgreichsten und profitabelsten TV-Anbieter Europas. Noch immer ist er in der Medienbranche unterwegs und sorgte kurz vor seinem Achtzigsten für Aufmerksamkeit mit dem Urteil, dass Netflix scheitern wird. „Am Ende sind diese ganzen Serien doch immer wieder das Gleiche, das langweilt die Zuschauer irgendwann“, so sein Urteil. Er sieht für das klassische Fernsehen weiterhin eine Zukunft, wenn die Sender-Verantwortlichen Potentiale aus Virtual Reality einsetzen. Skeptisch ist er allerdings, ob dies in Europa geschieht, denn er fragt sich, woher Innovationen kommen sollen. Mit den Öffentlich-Rechtlichen (ARD und ZDF), Pro Sieben Sat 1 und RTL gebe es nur drei Marktteilnehmer, die sich gegenseitig kaum Konkurrenz machten.

Helmut Thoma (Wien 2009)

Nun denn, ob er da richtig liegt? Nachrichten und sogar KI-gesteuerte Echtzeit-Redaktion könnten die Streamer auch. Sie wären sogar dafür prädestiniert. Für mit VR/AR verstärkte TV-Seherlebnisse erst recht. Es stellt sich eher die Frage, wie lange es dauert, bis der große Block aus klassischer TV-Zeitnutzung von den nachwachsenden ,neuen‘ Medienkonsumenten abgenagt ist. Demografisch und von den Nutzungsgewohnheiten her dauert das noch gut und gerne ein paar Jahrzehnte. Bemerkenswert ist, um mehr Licht in das Dunkel der Medienanalyse zu bringen, wie unwillig  Amazon, Netflix und andere Plattformen  Nutzungszahlen herausrücken mit der Begründung, dass der  Kunden- und Datenschutz zu wahren sei. Wie viele Nutzer haben sie denn, wie viel Zeit verbringen deutsche Haushalte mit Bewegtbild-streaming? Da kommt man doch ins Schmunzeln ober der Zurückhaltung der großen Konzerne und …. ins Grübeln. „Was willst du heute sehen, Familienmitglied 1, 2, 3…, oder möchtest du etwas aus Deinen Profilvorlieben?“ so lautet doch eine Frage beim Einschalten eines Streamingangebotes. Bestimmt auch gerne irgendwann mit Alexa freundlich insistierend nachgefragt.
Dieser Artikel stammt von Helmut Poppe, ex-IPA/RTL-Verkaufsdirektor (non-TV, 🙂 )