{"id":2006,"date":"2026-09-20T12:52:43","date_gmt":"2026-09-20T10:52:43","guid":{"rendered":"https:\/\/dasmedienzentrum.org\/?p=2006"},"modified":"2026-09-20T12:52:43","modified_gmt":"2026-09-20T10:52:43","slug":"digitale-medienordnung-im-umbruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dasmedienzentrum.org\/?p=2006","title":{"rendered":"Digitale Medienordnung im Umbruch"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie der neue Digitale\u2011Medien\u2011Staatsvertrag die Machtfrage im Netz neu stellt \u2013 und warum lokale Radios in Deutschland und in Frankreich jetzt handeln m\u00fcssen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Entwurf f\u00fcr den neuen <em>Digitale Medien\u2011Staatsvertrag<\/em> markiert einen Wendepunkt: Er versucht erstmals, alle digitalen Inhalte \u2013 von klassischen Medien \u00fcber Plattformen bis hin zu KI\u2011Systemen \u2013 nach einem einheitlichen, wirkungsorientierten Ma\u00dfstab zu regulieren. Entscheidend ist nicht mehr die Gattung, sondern der Einfluss auf die Meinungsbildung. F\u00fcr die Radiobranche, insbesondere f\u00fcr Lokalradios, ist das ein doppelter Einschnitt: Sie geraten in ein Regime, das ihre Inhalte neu bewertet, w\u00e4hrend gleichzeitig globale Plattformen ihre Gesch\u00e4ftsgrundlagen verschieben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1. Der Staatsvertrag: ein Paradigmenwechsel mit Folgen f\u00fcr die Radiolandschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Entwurf definiert erstmals, was ein \u201ejournalistisch\u2011redaktionell verantwortetes Angebot\u201c ist \u2013 und bezieht Telemedien, Podcasts und YouTube\u2011Kan\u00e4le ein. Lokale Radios, die bisher klar im Rundfunkrecht verankert waren, werden damit Teil eines breiteren digitalen \u00d6kosystems. Das bedeutet:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Sorgfaltspflichten<\/strong> wie transparente Verantwortlichkeiten und Fehlerkorrekturstandards gelten nun auch f\u00fcr Audio\u2011Online\u2011Formate.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Auffindbarkeitspflichten<\/strong> sollen sicherstellen, dass Angebote \u201eallgemeinen Interesses\u201c \u2013 darunter lokale Nachrichten \u2013 nicht im Algorithmus verschwinden.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>KI\u2011Systeme<\/strong> mit mehr als einer Million Nutzern m\u00fcssen Transparenz \u00fcber Quellen und Inhalte schaffen \u2013 ein Punkt, der f\u00fcr die Distribution von Audio\u2011News \u00fcber Sprachassistenten relevant wird.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Werbe\u2011 und Vertriebserl\u00f6se zu verteilen an lokale Medien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders brisant ist die geplante Reform des Medienkonzentrationsrechts. Statt Zuschauerreichweiten sollen k\u00fcnftig <strong>Werbe\u2011 und Vertriebserl\u00f6se<\/strong> als Indikator f\u00fcr Meinungsmacht gelten. Ab einem Schwellenwert \u2013 diskutiert werden vier Milliarden Euro Umsatz \u2013 kann ein Anbieter verpflichtet werden, Vielfaltssicherungsma\u00dfnahmen zu ergreifen oder sich sogar strukturell zu entflechten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDer Entwurf r\u00e4umt als M\u00f6glichkeit ein, dass sich Anbieter durch eine Abgabe von Werbeerl\u00f6sen an die Landesmedienanstalten \u201efreikaufen\u201c k\u00f6nnen. Mit diesem Geld sollen beispielsweise lokale Angebote gef\u00f6rdert werden. Aber auch bei diesem Abschnitt fehlt noch die exakte Bestimmung, ab welcher Summe das Gesetz greift. Im vorliegenden Papier ist von einem Umsatzerl\u00f6s von vier Milliarden Euro die Rede.\u201c (Quelle FAZ 16.09.26)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Radiobranche bedeutet das zweierlei:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Gro\u00dfe private Audiokonzerne in Deutschland w\u00fcrden eher nicht \u00a0st\u00e4rker in den Fokus. geraten<\/li>\n\n\n\n<li>Lokale Radios k\u00f6nnten profitieren, wenn Gelder aus \u201eFreikauf\u2011Abgaben\u201c tats\u00e4chlich in lokale Medienangebote flie\u00dfen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch ob der Vertrag \u00fcberhaupt kommt, ist offen. Politische Mehrheiten \u2013 insbesondere in Sachsen\u2011Anhalt \u2013 k\u00f6nnten ihn blockieren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Deutschland vs. Frankreich: Lokale Radios unter Druck \u2013 aber mit unterschiedlichen Ausgangslagen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Deutschland: Lokale Radios zwischen Werbemarkt und Plattformabh\u00e4ngigkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der deutsche Radiomarkt ist stark regionalisiert. Lokalsender leben von:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>regionaler Werbung,<\/li>\n\n\n\n<li>lokalen Nachrichten,<\/li>\n\n\n\n<li>und einer engen Bindung an ihr Sendegebiet.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch die Realit\u00e4t hat sich verschoben:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Werbem\u00e4rkte wandern ins Digitale<\/strong>, besonders zu Meta, Google und zunehmend zu KI\u2011gest\u00fctzten Werbeplattformen.<br>Siehe dazu den Artikel zuvor mit konkreten Marktzahlen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Politische Inhalte im Radio<\/strong> sind oft zur\u00fcckhaltend \u2013 die Sendeanstalten vermeiden Polarisierung.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Zeitanteile von Politikerstimmen<\/strong> sind im deutschen Radio deutlich geringer als in Frankreich.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lokale Sender verlieren damit Relevanz in der politischen \u00d6ffentlichkeit \u2013 und damit auch Werbewert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Frankreich: Lokale Radios als politische B\u00fchne<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frankreich hat eine andere Tradition:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Lokale Radios und <em>radios associatives<\/em> sind st\u00e4rker politisiert.<\/li>\n\n\n\n<li>Politiker treten h\u00e4ufiger auf, Debatten laufen auch im Lokalfunk.<\/li>\n\n\n\n<li>Der franz\u00f6sische Werbemarkt (lokal ca. 10,8 Mrd. \u20ac laut France Pub) ist st\u00e4rker fragmentiert, aber lokale Medien bleiben sichtbarer.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frankreichs Lokalsender sind damit <strong>besser in den demokratischen Prozess eingebunden<\/strong> \u2013 und profitieren von politischer Aufmerksamkeit.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3. Die Machtfrage hinter dem Staatsvertrag: Daten, Abh\u00e4ngigkeit, Geopolitik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Parallel zum Staatsvertrag l\u00e4uft eine zweite, oft untersch\u00e4tzte Entwicklung:<br><strong>Das Wissen der deutschen Wirtschaft wandert Prompt f\u00fcr Prompt auf amerikanische Cloud\u2011Server.<\/strong><br>Konstruktionsdaten, Kalkulationen, Kundenwissen \u2013 alles liegt zunehmend au\u00dferhalb deutscher Rechtsr\u00e4ume.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Medienanbieter, auch Radios, bedeutet das:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Datenhoheit:<\/strong> Wer greift zu, und nach welchem Recht?<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Abh\u00e4ngigkeit:<\/strong> Preise, Bedingungen und Funktionen bestimmt jemand anderes.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Geopolitik:<\/strong> Was heute selbstverst\u00e4ndlich l\u00e4uft, kann morgen Verhandlungsmasse sein.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende gilt: <strong>Wer den Stecker ziehen kann, hat die Macht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>4. Was Lokalsender jetzt tun m\u00fcssen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lokale Radios \u2013 in Deutschland wie in Frankreich \u2013 m\u00fcssen lernen, <strong>politische Themen aktiv einzubringen<\/strong>, sowohl <strong>on air<\/strong> als auch in <strong>Podcasts<\/strong>.<br>Nicht als parteipolitische Werbung, sondern als demokratische Infrastruktur:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>lokale Debatten,<\/li>\n\n\n\n<li>politische Bildung,<\/li>\n\n\n\n<li>Gespr\u00e4chsr\u00e4ume f\u00fcr B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur so entsteht ein lokaler \u00f6ffentlicher Raum, der nicht von Plattformen oder extremistischen Akteuren besetzt wird.<br><strong>Einbindung ins lokale Programm ist entscheidend \u2013 damit nicht politische Akteure mit ausgepr\u00e4gter antidemokatischer Agenda &nbsp;gewinnen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>5. \u00dcberblick: Parteien, Positionen und W\u00e4hlerpotenziale<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie der neue Digitale\u2011Medien\u2011Staatsvertrag die Machtfrage im Netz neu stellt \u2013 und warum lokale Radios in Deutschland und in Frankreich jetzt handeln m\u00fcssen Der Entwurf f\u00fcr den neuen Digitale Medien\u2011Staatsvertrag markiert einen Wendepunkt: Er versucht erstmals, alle digitalen Inhalte \u2013 von klassischen Medien \u00fcber Plattformen bis hin zu KI\u2011Systemen \u2013 nach einem einheitlichen, wirkungsorientierten Ma\u00dfstab &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/dasmedienzentrum.org\/?p=2006\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDigitale Medienordnung im Umbruch\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2006","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dasmedienzentrum.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2006","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dasmedienzentrum.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dasmedienzentrum.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dasmedienzentrum.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dasmedienzentrum.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2006"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/dasmedienzentrum.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2006\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2009,"href":"https:\/\/dasmedienzentrum.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2006\/revisions\/2009"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dasmedienzentrum.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2006"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dasmedienzentrum.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2006"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dasmedienzentrum.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2006"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}