{"id":473,"date":"2020-02-09T11:45:37","date_gmt":"2020-02-09T10:45:37","guid":{"rendered":"http:\/\/dasmedienzentrum.org\/?p=473"},"modified":"2020-02-09T19:51:38","modified_gmt":"2020-02-09T18:51:38","slug":"impressionen-von-der-european-radio-show","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dasmedienzentrum.org\/?p=473","title":{"rendered":"Impressionen von der European Radio Show"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/www.radioszene.de\/140305\/helmut-poppe-impressionen-european-radio-show-paris.html\">Artikel ver\u00f6ffentlicht am 31.01.2020 in radioszene.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p> <strong>Internationale Tendenzen und Innovationen f\u00fcr Medienschaffende<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Im Bild: Evelin und Helmut Poppe<br>Short time out @ European Radio Show <br><br>Den Veranstaltern der European Radio Show ist es dieses Jahr wieder  gelungen, eine ungemein abwechslungsreiche Messe in Paris auf die Beine  zu stellen. Die 3-Tagesveranstaltung, die in einem Kongressprogramm  Roundtables, Diskussionen und Pr\u00e4sentationen anbot, verzeichnete nach  Veranstalterangaben mehr als 8.000 Besucher vom 23. bis 25. Januar.  Diese im Vergleich zu anderen Radioveranstaltungen sehr hohe Anzahl  erkl\u00e4rt sich zum einen ganz einfach durch den freien Eintritt f\u00fcr  Branchenakteure. So ist es auch Mitarbeitern der \u201adritten Garde\u2018 aus den  Sendern und den umliegenden Branchen finanziell m\u00f6glich, dem gro\u00dfen  Branchentreffen in der historischen Halle de la Villette im Osten Paris  beizuwohnen. Gerade diese Radioleute sind es ja schlie\u00dflich, die  wesentliche Innovationen einbringen und umsetzen m\u00fcssen, und sie kamen  zahlreich. Insgesamt gab es von allen Seiten ein gro\u00dfes Lob auch wegen  der Vielfalt des Programms und der professionellen Organisation.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Besonders ins Auge fielen Neuigkeiten aus den Bereichen:&nbsp;<\/strong>Personalentwicklung,\n zur Fragestellung, ob Podcasts dasselbe Ph\u00e4nomen erfahren werden wie \nVideos auf YouTube, ob und was Frankreich und Deutschlands Radiomacher \nvoneinander lernen k\u00f6nnen. \u2028Von der technischen Seite sind besonders \ndrei Neuerungen bei Sender-Aggegratoren und Podcastsoftware zu erw\u00e4hnen \nund \u2026 was vielleicht besonders zukunftsweisend ist, Innovationen zum \nThema Tracking des H\u00f6rers, zur Profilbildung und zu der Ber\u00fccksichtigung\n der hieraus gewonnenen Daten im Programm. Hier zeichnet sich eine \nRelevanz f\u00fcr das europ\u00e4ische Medienrecht ab. Eines ist klar, in \nFrankreich wird flei\u00dfig von Seiten des Staates Rundfunk reglementiert, \nwas zur Folge hat, und was auch gleich an dieser Stelle eine Vorwegnahme\n der insgesamt gewonnen Erkenntnisse darstellt, dass Reglementierungen \nund hoher Wettbewerbsdruck, wie er in Frankreich viel mehr gegeben ist \nals in Deutschland \u2026 zu kreativen L\u00f6sungen f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die deutsche Mediaanalyse MA weist 263 Sender aus, hinzukommen 78 \nerfasste Webradios. Im Vergleich dazu senden \u00fcber 1.229 Anbieter in der \ngallischen Nation. Berechnet man die Netto-Werbeeinahmen auf Basis der \nAnzahl der Einwohner erh\u00e4lt man eine pro Kopf-Zahl an Werbeinvestitionen\n Radio von gut 10 \u20ac per Jahr in beiden L\u00e4ndern, was manchen Sendereigner\n zu einem Stirnrunzeln bewegt, die diese Zahl naturgem\u00e4\u00df als viel zu \nniedrig empfinden.\u2028Einen Hinweis auf einen h\u00f6heren Erfolg im \nWerbezeitenverkauf ergeben die auf Basis der gewichteten Einwohnerzahlen\n ermittelten Ums\u00e4tze, Frankreich hat eine um 20% kleiner \nBev\u00f6lkerungsanzahl, gewichtet man die Nettowerbeums\u00e4tze dort \nentsprechend, ergeben sich zumindest gleich hohe Einnahmen insgesamt wie\n in Deutschland (Quelle: bump, Nielsen, VAU.net und ARD). Da das \nstaatliche Radio in Frankreich auf 50 Mio. \u20ac Werbeeinnahmen gesetzlich \nlimitiert ist, k\u00f6nnte man anteilsm\u00e4\u00dfig wie in Deutschland noch einmal \netwa 200 Mio. hinzuschlagen. Im Ergebnis k\u00f6nnten die franz\u00f6sischen \nSender in der Gesamtheit also einiges mehr einnehmen als die hiesigen. \nDa sich die Reichweiten mit 76% H\u00f6rer gestern und in den Verweildauern \nziemlich \u00e4hneln (Quellen: m\u00e9diam\u00e9trie und MA), scheint linksrheinisch \nmehr Druck, Kreativit\u00e4t und Erfolg im Verkauf zu diesen h\u00f6heren Zahlen \nf\u00fchren. Diese vergleichenden Aufstellungen sind hier nachlesbar:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.ytimg.com\/vi\/C_8RlLn8maI\/hqdefault.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Von der Prorammseite fiel auf, dass in unserem Nachbarland stark auf das Format <strong>TALK<\/strong>\n gesetzt wird. Die vier gro\u00dfen nationalen Senderketten France Inter, \ndieser weiterhin und in Zeiten der Streiks die No.1 und Europe 1, RTL \nund Sud Radio betreiben nicht nur ein konsequent durchstrukturierte fast\n ausschlie\u00dfliche Talk-Angebote, sie nutzen auch im hohen Umfang \nbegleitendes Bewegtbild und sehr viele M\u00f6glichkeiten f\u00fcr H\u00f6rer, um mit \nden Sendern in Kontakt zu treten. Die beiden in Deutschlands privaten \nStationen wenig anzutreffenden Faktoren (da teuer und aufwendig) \nReaktivit\u00e4t und Bewegtbild, f\u00fchren offensichtlich zu hoher Akzeptanz und\n indirekt zu bedeutenden Werbeeinnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Programmerfolg und die Faktoren, die hierzu f\u00fchren, laden zu einer Messung ein. <strong>Drei Anbieter<\/strong> stachen bei dieser Aufgabenstellung besonders ins Auge:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ACE<\/strong>&nbsp;misst Call ins und wertet diese H\u00f6rerreaktionen \naus. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen mit dem gewonnenen Datenbestand bestimmte \ngeplante Themen vorhersehbar gemacht werden nach Anzahl der redebereiten\n H\u00f6rer, deren Historie, Regionalit\u00e4t und Menge. Das Programm wird nach \nAngaben des Anbieters von f\u00fchrenden Senderketten im Programmalltag \ngenutzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Yacast<\/strong>, misst im Auftrag der staatlichen Beh\u00f6rde CSA\n (diese ist teilweise vergleichbar mit unseren Medienanstalten) mit dem \nInstrument \u201cBarom\u00e8tre Radio\u201d begleitend die Reichweiten des \nForschungsinstituts M\u00e9diam\u00e9trie und verfolgt die \u201estrategischen \nZielsetzungen\u201c, gemeint sind wohl Senderstrategien, deren Verhalten und \nKontrolle. Da bei unseren Nachbarn der Anteil der einheimischen Titel \nund die Zeit\/Wort-Anteile der Politiker eingehalten werden m\u00fcssen, setzt\n die CSA ebenfalls auf diesen Dienstleister und eine Anwendung namens \n\u201cMediaArchiver\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.neuromedia.io\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">NEUROMEDIA<\/a>:<\/strong>\n Hier geht es (noch?) nicht um die Messung von Gehirnstr\u00f6men oder gar um\n deren Beeinflussung sondern um detallierte Messungen des \nH\u00f6rerverhaltens. Diese zukunftsweisenden Anwendungen erlauben nicht nur,\n mit dem Produkt \u201e<strong>CasterStats<\/strong>\u201c Audio- und \nVideostreaming zu erfassen und auszuweisen oder mit \u201eTraxFlow\u201c \nMusiktitel zu steuern, mit dem dritten Angebot aus dem Portefeuille des \nbelgischen Unternehmens wird \u2013 manch einer erinnert sich da noch an die \nvor zwanzig Jahren aufgekommene Schweizer Uhr, mit der \nRadionutzungsvorg\u00e4nge gemessen werden sollten \u2013 jetzt hilft das \nSmartphone hierbei. Wie der Hersteller schreibt, sollen Radio- und \nTV-Inhalte digital, \u00fcber UKW oder DABplus verbreitet erfasst und \nausgewiesen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Da solche Aufgaben auch zu dem Wirkungsbereich der deutschen \nMedienanstalten z\u00e4hlen, d\u00fcrften diese sich bald solche offensichtlich \nbisher unerkannt gebliebenen neuen Entwicklungen n\u00e4her anschauen. Bisher\n verl\u00e4sst man sich auf Stichproben, die zumeist nicht automatisiert \ndurchgef\u00fchrt werden durch \u2013 wie man h\u00f6rt \u2013 Werksstudenten. Im Rahmen \neines europ\u00e4ischen Medienrechts und mit der Zielsetzung \u201egleiches Recht \nf\u00fcr alle\u201c ergeben sich spannende Fragestellungen und neue Aufgaben. \nDiese sollen hier an dieser Stelle aber noch nicht besprochen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt noch zu erw\u00e4hnen, dass f\u00fcr den Alltagsbereich relevante  Angebote (wieder-) in Paris entdeckt wurden: der von den deutschen  Anbietern betriebene <strong>Radioplayer<\/strong> kann&nbsp;auch in  Frankreich von dortigen Stationen auf Anfrage genutzt werden. Uns gefiel  besonders auch der ebenfalls werbefreie Aggregator <strong>audials<\/strong>,  der was wohl einzigartig ist, Mitschnitte gleich mit dem Handy oder dem  PC erlaubt von den tausenden enthaltenen Radio- und Podcastprogrammen.  Hier hat das Karlsruher Unternehmen eine ganz exzellente Anwendung  geschaffen, die mehr Aufmerksamkeit in der Branche verdient.Wer es  spielerisch mag und sich mit Podcasts vergn\u00fcgen m\u00f6chte, greife zu  lilicast.com. Mit dieser einfach online zu bedienenden und exzellent  assistierten Web-App lassen sich Produktionen rasch und optisch gut  aufgemacht erstellen. Da griffen wir rasch zu. Die Frage, ob Podcasts  die gleiche Erfolgsstory wie YouTube-Videos erfahren werden, wurde  nat\u00fcrlich auf der European Radio Show auch gestellt. Syndikatisierungen  stellen ein interessantes Modell dar. RTL Radio-Mann <strong>Christian Schalt<\/strong>  nannte hierzu auch Erl\u00f6sbeteiligungsmodelle in einer Roundtable am  ersten Tag. Da bleibt nur die Frage einer zentralen Audio Landing Page,  und diese steht bisher aus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.radioszene.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Roundtable-european-radio-show-530.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.radioszene.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Roundtable-european-radio-show-530.jpg\" alt=\"Roundtable auf der \u2028Hans Knobloch, Christian Schalt, Caroline Graz\u00e9, Vincent Benveniste,\u2028Helmut Poppe bei der European Radio Show 2020\u2028 (Bild: \u00a9RADIOSZENE)\" class=\"wp-image-140309\"\/><\/a><figcaption>Hansi Knobloch, BR, Christian Schalt, RTL Radio; Caroline Graz\u00e9, radioplayer, Vincent Benveniste, DAVID Systemns, Helmut Poppe, Modertor des Roundtables<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wortbeitr\u00e4ge scheinen in Deutschland im Aufwind zu stehen, man beachte hierzu das neue MDR-Format <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/mitmachen\/mdrfragt\/umfrage-frage-antwort-100.html\" target=\"_blank\">\u201eMDRfragt<\/a>\u201c  und weit \u00fcber zehntausend deutschsprachige Podcast-Produktionen. Bei  RADIOSZENE wurde auch j\u00fcngst \u00fcber eine entsprechende Entwicklung bei der  BBC berichtet. Eher skeptisch und philosophisch sah BR-Mann <strong>Hans Knobloch<\/strong> den Zustand des deutschen Radios \u201eJedes Land bekommt das Radio, das es verdient\u201c. <strong>Podjock Gerry<\/strong> (G\u00e9rard) aus Liverpool und CEO von <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.thepodcastradio.co.uk\" target=\"_blank\">Podcast Radio<\/a>,  das Gro\u00dfes vorhat, meint, dass eher die Gesellschaft das Medium pr\u00e4gt.  Er stellte j\u00fcngst auf LinkedIn sein neues Angebot mit einem real funny  gemachten Video vor: \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/company\/podcast-radio\/\" target=\"_blank\">London wide \u2013 we cannot wait\u201c.<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Artikel ver\u00f6ffentlicht am 31.01.2020 in radioszene.de Internationale Tendenzen und Innovationen f\u00fcr Medienschaffende Im Bild: Evelin und Helmut PoppeShort time out @ European Radio Show Den Veranstaltern der European Radio Show ist es dieses Jahr wieder gelungen, eine ungemein abwechslungsreiche Messe in Paris auf die Beine zu stellen. 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