Medienwirtschaft und Robert Koch Institut

Strategien und Handreichungen. Zahlen valide?

RadioSalesWeekly stellt die Frage

Das Robert Koch-Institut hat in einem Papier „Strategien und eine Handreichung zur Entwicklung von Stufenkonzepten bis Frühjahr 2021″ vorgelegt. Übergeordnetes Ziel hierbei ist, die Zahl der schweren Erkrankungen, Langzeitfolgen, und Todesfälle durch COVID-19 zu minimieren und eine Überlastung des Gesundheitssystems nachhaltig zu vermeiden.

Bemerkenswert ist hierbei, dass in einem Stufenkonzept verschiedenen Situationen einer möglichen Aussetzung von Risiken beispielsweise in der Gastronomie, beim Firseur, in Kindergärten und ….  dem Enzelhandel …. nur geringe Infizierungsgefahren zugeordnet werden. Ganz erstaunlich aber ist, dass sogenannte ‚Nicht-Covid-Effekte bei Beschränkung‘ zu befürchten sind. Gemeint sind hierbei „soziale, psychologische, ökon. Effekte“. Im Klartext: RKI meint „Schließung ist nicht schlimm“ – oder Öffnung nicht gefährlich? Wohl eher Letzteres.

In der Bibliografie zu dem Papier sind 61 Quellenangaben von  Studien enthalten einzig aus den Bereichen Medizin und Schulen. Das RKI sollte dringend auch andere Studienteilnehmer gewinnen. Solche mit Wirtschaftskompetenz wie GfK, Kantar, Nielsen und die zahlreichen Startups aus der Empirie könnten da helfen.

Destatis

Der Einzelhandel – er beschäftigt immerhin mehr als drei Millionen Personen und macht stationär einen Umsatz von 63 Milliarden € aus und die Millionen Personen, die dort massiv wirtschaftlch und persönlich betroffen sind, haben es verdient, eine bessere empirische Grundlage zur Beurteilung von Maßnahmen zu erhalten.

„Moderate“ Auswirkungen auf Infektionen im Einzelhandel, in der Gatronomie und in  Hotels mögen gesundheitlich zutreffen und lassen sich durch Vorsichtsmaßnahmen steuern. Die Auswirkungen sind wirtschaftlich katastrophal. In  #RadioSalesWeekly nehmen Medienexperten dazu Stellung und stellen vor allem die Validität der Zahlen in Frage.

Neben den Beschäftigten im Einzelhandel und in der Gastronomie leiden solche in Kreativbranchen, in Marketing und Medien. Der Zuwachs der Arbeitslosgkeit in beiden Letztgenannten beträgt laut ZAW 40%. Dem Videocast folgen hier. Dort geht es auch um ein weiteres Verbot, nämlich dem jünst in die Wege geleiteten Werbeverbot für ‚Aktionsware‘. Da hat das saarländische Wirtschaftsministerium wohl nicht mitbekommen, dass Werbemittel dafür national geplant werden. Wo bleiben die Regelungen für das saarländische Web?

Schulen zu, Unis auf – wie könnte man in Zeiten der Corona-Krise mit eLearning und digital gestütztem Lernen reagieren?

In Regionen Frankreichs lautet diese Devise: Kinder bleiben ‚chez soi‘. Der Grund : Kinder und Jugendliche zeigen trotz Infektion häufig wenig Symptome, und das kann gefährlich sein, bleiben Angesteckte doch möglicherweise unbemerkt. Die Corona-Krise legt bestehende Defizite an Schulen in Deutschland schonungslos offen. Seit mittlerweile eineinhalb Jahrzehnten ist bekannt und wurde auch schon in Testphasen angewandt: Kranke Schüler können zumindest teilweise entgehenden Lernstoff digital nachholen. Es muss halt dafür gesorgt werden, dass entsprechende Plattformen einsetzbar sind, Lehrer und Schüler zugleich im Umgang trainiert wurden, die Eltern mitspielen und die Technik zuhause funktioniert.

Auf ganz andere Paradigmen, einen Turbo für Lernoptimierungen und -erfahrungen wird hier nicht eingegangen. Insgesamt ist aber klar: Interdisziplinarität tut not, das Tempo müsste in den einzelnen Institutionen beschleunigt und Immersions-Lernverfahren z.Bsp. mit VR/AR endlich intensiver angegangen werden. Deutschland ist hier im Dornröschen Schlaf!

Ein Wicht, wer bei verordnetem Zuhausebleiben an #Coronaferien glaubt ? Die Jungs hier gehen spielen – das bildet auch.

Im Osten Frankreichs gibt es immerhin #cned und den „Digitalen Schreibtisch“ (ENT), für den alle (!) angemeldet sind.
#schulcloud #Coronaferien #cned

Impressionen von der European Radio Show

Short time out @ European radio Show

Artikel veröffentlicht am 31.01.2020 in radioszene.de

Internationale Tendenzen und Innovationen für Medienschaffende

Im Bild: Evelin und Helmut Poppe
Short time out @ European Radio Show

Den Veranstaltern der European Radio Show ist es dieses Jahr wieder gelungen, eine ungemein abwechslungsreiche Messe in Paris auf die Beine zu stellen. Die 3-Tagesveranstaltung, die in einem Kongressprogramm Roundtables, Diskussionen und Präsentationen anbot, verzeichnete nach Veranstalterangaben mehr als 8.000 Besucher vom 23. bis 25. Januar. Diese im Vergleich zu anderen Radioveranstaltungen sehr hohe Anzahl erklärt sich zum einen ganz einfach durch den freien Eintritt für Branchenakteure. So ist es auch Mitarbeitern der ‚dritten Garde‘ aus den Sendern und den umliegenden Branchen finanziell möglich, dem großen Branchentreffen in der historischen Halle de la Villette im Osten Paris beizuwohnen. Gerade diese Radioleute sind es ja schließlich, die wesentliche Innovationen einbringen und umsetzen müssen, und sie kamen zahlreich. Insgesamt gab es von allen Seiten ein großes Lob auch wegen der Vielfalt des Programms und der professionellen Organisation.

Besonders ins Auge fielen Neuigkeiten aus den Bereichen: Personalentwicklung, zur Fragestellung, ob Podcasts dasselbe Phänomen erfahren werden wie Videos auf YouTube, ob und was Frankreich und Deutschlands Radiomacher voneinander lernen können. 
Von der technischen Seite sind besonders drei Neuerungen bei Sender-Aggegratoren und Podcastsoftware zu erwähnen und … was vielleicht besonders zukunftsweisend ist, Innovationen zum Thema Tracking des Hörers, zur Profilbildung und zu der Berücksichtigung der hieraus gewonnenen Daten im Programm. Hier zeichnet sich eine Relevanz für das europäische Medienrecht ab. Eines ist klar, in Frankreich wird fleißig von Seiten des Staates Rundfunk reglementiert, was zur Folge hat, und was auch gleich an dieser Stelle eine Vorwegnahme der insgesamt gewonnen Erkenntnisse darstellt, dass Reglementierungen und hoher Wettbewerbsdruck, wie er in Frankreich viel mehr gegeben ist als in Deutschland … zu kreativen Lösungen führt.

Die deutsche Mediaanalyse MA weist 263 Sender aus, hinzukommen 78 erfasste Webradios. Im Vergleich dazu senden über 1.229 Anbieter in der gallischen Nation. Berechnet man die Netto-Werbeeinahmen auf Basis der Anzahl der Einwohner erhält man eine pro Kopf-Zahl an Werbeinvestitionen Radio von gut 10 € per Jahr in beiden Ländern, was manchen Sendereigner zu einem Stirnrunzeln bewegt, die diese Zahl naturgemäß als viel zu niedrig empfinden.
Einen Hinweis auf einen höheren Erfolg im Werbezeitenverkauf ergeben die auf Basis der gewichteten Einwohnerzahlen ermittelten Umsätze, Frankreich hat eine um 20% kleiner Bevölkerungsanzahl, gewichtet man die Nettowerbeumsätze dort entsprechend, ergeben sich zumindest gleich hohe Einnahmen insgesamt wie in Deutschland (Quelle: bump, Nielsen, VAU.net und ARD). Da das staatliche Radio in Frankreich auf 50 Mio. € Werbeeinnahmen gesetzlich limitiert ist, könnte man anteilsmäßig wie in Deutschland noch einmal etwa 200 Mio. hinzuschlagen. Im Ergebnis könnten die französischen Sender in der Gesamtheit also einiges mehr einnehmen als die hiesigen. Da sich die Reichweiten mit 76% Hörer gestern und in den Verweildauern ziemlich ähneln (Quellen: médiamétrie und MA), scheint linksrheinisch mehr Druck, Kreativität und Erfolg im Verkauf zu diesen höheren Zahlen führen. Diese vergleichenden Aufstellungen sind hier nachlesbar:

Von der Prorammseite fiel auf, dass in unserem Nachbarland stark auf das Format TALK gesetzt wird. Die vier großen nationalen Senderketten France Inter, dieser weiterhin und in Zeiten der Streiks die No.1 und Europe 1, RTL und Sud Radio betreiben nicht nur ein konsequent durchstrukturierte fast ausschließliche Talk-Angebote, sie nutzen auch im hohen Umfang begleitendes Bewegtbild und sehr viele Möglichkeiten für Hörer, um mit den Sendern in Kontakt zu treten. Die beiden in Deutschlands privaten Stationen wenig anzutreffenden Faktoren (da teuer und aufwendig) Reaktivität und Bewegtbild, führen offensichtlich zu hoher Akzeptanz und indirekt zu bedeutenden Werbeeinnahmen.

Programmerfolg und die Faktoren, die hierzu führen, laden zu einer Messung ein. Drei Anbieter stachen bei dieser Aufgabenstellung besonders ins Auge:

ACE misst Call ins und wertet diese Hörerreaktionen aus. Zusätzlich können mit dem gewonnenen Datenbestand bestimmte geplante Themen vorhersehbar gemacht werden nach Anzahl der redebereiten Hörer, deren Historie, Regionalität und Menge. Das Programm wird nach Angaben des Anbieters von führenden Senderketten im Programmalltag genutzt.

Yacast, misst im Auftrag der staatlichen Behörde CSA (diese ist teilweise vergleichbar mit unseren Medienanstalten) mit dem Instrument “Baromètre Radio” begleitend die Reichweiten des Forschungsinstituts Médiamétrie und verfolgt die „strategischen Zielsetzungen“, gemeint sind wohl Senderstrategien, deren Verhalten und Kontrolle. Da bei unseren Nachbarn der Anteil der einheimischen Titel und die Zeit/Wort-Anteile der Politiker eingehalten werden müssen, setzt die CSA ebenfalls auf diesen Dienstleister und eine Anwendung namens “MediaArchiver”.

NEUROMEDIA: Hier geht es (noch?) nicht um die Messung von Gehirnströmen oder gar um deren Beeinflussung sondern um detallierte Messungen des Hörerverhaltens. Diese zukunftsweisenden Anwendungen erlauben nicht nur, mit dem Produkt „CasterStats“ Audio- und Videostreaming zu erfassen und auszuweisen oder mit „TraxFlow“ Musiktitel zu steuern, mit dem dritten Angebot aus dem Portefeuille des belgischen Unternehmens wird – manch einer erinnert sich da noch an die vor zwanzig Jahren aufgekommene Schweizer Uhr, mit der Radionutzungsvorgänge gemessen werden sollten – jetzt hilft das Smartphone hierbei. Wie der Hersteller schreibt, sollen Radio- und TV-Inhalte digital, über UKW oder DABplus verbreitet erfasst und ausgewiesen werden.

Da solche Aufgaben auch zu dem Wirkungsbereich der deutschen Medienanstalten zählen, dürften diese sich bald solche offensichtlich bisher unerkannt gebliebenen neuen Entwicklungen näher anschauen. Bisher verlässt man sich auf Stichproben, die zumeist nicht automatisiert durchgeführt werden durch – wie man hört – Werksstudenten. Im Rahmen eines europäischen Medienrechts und mit der Zielsetzung „gleiches Recht für alle“ ergeben sich spannende Fragestellungen und neue Aufgaben. Diese sollen hier an dieser Stelle aber noch nicht besprochen werden.

Bleibt noch zu erwähnen, dass für den Alltagsbereich relevante Angebote (wieder-) in Paris entdeckt wurden: der von den deutschen Anbietern betriebene Radioplayer kann auch in Frankreich von dortigen Stationen auf Anfrage genutzt werden. Uns gefiel besonders auch der ebenfalls werbefreie Aggregator audials, der was wohl einzigartig ist, Mitschnitte gleich mit dem Handy oder dem PC erlaubt von den tausenden enthaltenen Radio- und Podcastprogrammen. Hier hat das Karlsruher Unternehmen eine ganz exzellente Anwendung geschaffen, die mehr Aufmerksamkeit in der Branche verdient.Wer es spielerisch mag und sich mit Podcasts vergnügen möchte, greife zu lilicast.com. Mit dieser einfach online zu bedienenden und exzellent assistierten Web-App lassen sich Produktionen rasch und optisch gut aufgemacht erstellen. Da griffen wir rasch zu. Die Frage, ob Podcasts die gleiche Erfolgsstory wie YouTube-Videos erfahren werden, wurde natürlich auf der European Radio Show auch gestellt. Syndikatisierungen stellen ein interessantes Modell dar. RTL Radio-Mann Christian Schalt nannte hierzu auch Erlösbeteiligungsmodelle in einer Roundtable am ersten Tag. Da bleibt nur die Frage einer zentralen Audio Landing Page, und diese steht bisher aus.

Roundtable auf der 
Hans Knobloch, Christian Schalt, Caroline Grazé, Vincent Benveniste,
Helmut Poppe bei der European Radio Show 2020
 (Bild: ©RADIOSZENE)
Hansi Knobloch, BR, Christian Schalt, RTL Radio; Caroline Grazé, radioplayer, Vincent Benveniste, DAVID Systemns, Helmut Poppe, Modertor des Roundtables

Wortbeiträge scheinen in Deutschland im Aufwind zu stehen, man beachte hierzu das neue MDR-Format „MDRfragt“ und weit über zehntausend deutschsprachige Podcast-Produktionen. Bei RADIOSZENE wurde auch jüngst über eine entsprechende Entwicklung bei der BBC berichtet. Eher skeptisch und philosophisch sah BR-Mann Hans Knobloch den Zustand des deutschen Radios „Jedes Land bekommt das Radio, das es verdient“. Podjock Gerry (Gérard) aus Liverpool und CEO von Podcast Radio, das Großes vorhat, meint, dass eher die Gesellschaft das Medium prägt. Er stellte jüngst auf LinkedIn sein neues Angebot mit einem real funny gemachten Video vor: „London wide – we cannot wait“.